Druckschrift 
2 (1913)
Entstehung
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104
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Sommerfeld:

grobe Leinwand koliert. Die Kolatur wird in einem schmalen, hohen Zylinderzum Absetzen gebracht und die darüberstehende, etwas opaleszente Flüssigkeitabgehoben und durch neue Kochsalzlösung ersetzt und mit dieser geschüttelt.Von der gleichmässigen milchartigen Masse werden in 12 Gläser je 5 ccmgegossen und dazu abwechselnd immer 5 ccm physiologischer Kochsalzlösung(in Glas I, III, V usw.) und in die andern 6 Gläser je 5 ccm ganz frischfiltrierter l°/ 0 iger Auszug aus gepulverten Abrussamen (30 Jahre alte). Nach10 Minuten zeigen alle 6 Gläser mit Abrus eine flockige Fällung, die andern6 noch nicht. Die 6 Fällungen setzen sich rasch zu Boden, während in denandern 6 Gläsern zu dieser Zeit noch kaum etwas von Niederschlag wahr-nehmbar ist. Nach langem Stehen bildet sich auch in den 6 Gläsern mitphysiologischer Kochsalzlösung ein Niederschlag; er ist aber an Volumen inallen 6 Gläsern kleiner, als in den 6 Abrusgläsern. Werden alle 12 Gläsergleichmässig aufgeschüttelt, so wiederholt sich der ganze Prozess wie daserste Mal, d. h.

1. in den Abrusgläsern rasch Ausfall, in den andern viel, viel langsamer;

2. nach langem Stehen ist der Niederschlag in den Abrusgläsern stetsvoluminöser als in den andern.

Nun werden alle 6 Abrusgläser zusammengegossen; das Filtrierengelingt rasch und gibt ein wasserklares Filtrat. Die 6 anderen Gläser,deren Inhalt auch vereinigt wird, gibt ein trübes, sehr langsam durch-gehendes Filtrat.

Der Abrushirnzellenniederschlag wird auf dem Filter gewaschen undzwar über 24 Stunden lang mit immer neuen Quantitäten physiologischerKochsalzlösung, bis das Filtrat, mit einigen Tropfen Blut versetzt, keine Spurvon Agglutination mehr gibt. Nun wird der Zellbrei mit wenigen Tropfenverdünnter Salzsäure verrührt und von neuem auf dem Filter mit physio-logischer Kochsalzlösung gewaschen. Von dem jetzt erfolgenden saurenFiltrat, welches 20 ccm beträgt, werden 5 ccm nach genauer Neutralisierungmit 5 ccm 2"/,, iger Menschenblutkochsalzlösung versetzt. Bs erfolgt fastmomentan totale Agglutination.

Von den übrigen 15 ccm des Filtrates werden 10 ccm mit einemÜberschuss von Alkohol gefällt und der minimale Niederschlag in physio-logischer Kochsalzlösung gelöst und zu einem Blutversuch benutzt. Er ergibtAgglutination von Kaninchenblut und zwar rasch und stark.

Dieser Versuch zeigt:

1. dass Gehirnzellen vom Kaninchen das Abrin ver-ankern, so dass es durch Waschen mit physiologischerKochsalzlösung nicht zu extrahieren ist;

2. dass diese Zellen mit Abrin sich physikalisch andersverhalten, als die Zellen ohne Abrin, indem sie sich

a) schneller ballen und niederfallen,

b) ein grösseres Volumen haben als die anderen,

c) viel besser abfiltrieren lassen und ein klareresFiltrat geben;