Vorwort.
Auch bei den nachstehenden Arbeiten meines Instituteshandelt es sich um den Nachweis und die biologischenEigenschaften der giftigen und der ungiftigen Häm-agglutinine. Es gelang zu zeigen, dass diese Stoffe auf ver-schiedene Kohlehydrate und Glykoside fermentative Wirkungenhydrolytischer Art ausüben, die theoretische und praktische Be-deutung haben. Einige Agglutinine vermögen sogar Harnstoffin Ammoniumkarbonat umzuwandeln. Die Ergebnisse aller dieserVersuche zusammengenommen berechtigen zu der Vermutung,ja machen es geradezu wahrscheinlich, dass auch die Gift-wirkung des Rizins, Abrins und Crotins als eineEnzymwirkung aufzufassen ist. Leider erwies sich dieHoffnung, dass sich die fermentativen Wirkungen der giftigenAgglutinine auf chemisch reine Substanzen von denen derungiftigen Phasine wesentlich unterscheiden würden, als irrig.Es scheint eben zum Wesen aller vegetabilischen Hämagglutininezu gehören, dass sie z. B. auf Stärke verzuckernd und aufAmygdalin blausäureabspaltend einwirken. Auch in Samen, welcheHämolysine enthalten (Digitalis, Strophanthus, Feldrittersporn,Gartenmelde), sowie in den Samen der landläufigsten Pflanzen,die auf Futterkuchen verarbeitet werden, Hessen sich Enzymenachweisen, die einzelne Kohlehydrate und Glykoside hydro-lysieren. Die Anwesenheit solcher Enzyme berechtigt daherkeineswegs zu einem Schluss auf Hämagglutinine. Falls dasAuspressen der Samen in der Hitze vorgenommen wird, oderfalls durch den Akt des Pressens Hitze erzeugt wird, könnendie fermentativen Eigenschaften der Futterkuchen erheblich ab-geschwächt werden. — Die Zerlegung des Rizins und Abrinsin ein Toxin und ein Blutgift wurde von neuem als unmöglich