84
Reid :
Basen. Werde nun der Zellenbrei mit einer starken Säure ver-setzt, so wird das Rizin als schwache Säure frei. Die Tatsache,dass es frei wird, ist allerdings richtig; die von L. v. Liebeb-mann aber gegebene Erklärung, dass Rizin eine Säure sei, wurdevon Pauli 1 ) widerlegt, da es sich im elektrischen Gefälle nichtwie eine Säure, sondern wie eine amphotere Substanz, d. h.gerade so wie die neutralen Eiweisse insgesamt verhält. Genug,man kann aus dem Agglutinat von Blutkörperchen oder anderenZellen das verankerte Rizin durch Salzsäure freimachen undkann entweder in saurer Lösung oder sofort nach dem Neu-tralisieren abfiltrieren. Bei längerem Stehen in nicht mehr saurerFlüssigkeit verbindet es sich von neuem mit den Zellen-substanzen.
Die Flüssigkeit aus dem mit Rizinlösung versetzten Glase wird filtriert.Das Filter mit dem gewaschenen Filterrückstand der agglutinierten Hunde-hirnzellen wird mit 5 ccm Na Cl-Lösung -\- 1 Tropfen verdünnter Salzsäureversetzt, nach einer halben Stunde neutralisiert und rasch filtriert. DieHundehirnzellen bleiben nun auf dem Filter zurück, das Rizin geht in daswasserklare Filtrat. Setzt man zu diesen 5 ccm des rizinhaltigen Filtrates2 ccm einer 2°/ 0 igen Katzenblutkörperchensuspension, so agglutiniertdiese sofort total. 8 ) Beim Filtrieren bleiben die agglutinierten Blutkörperchenin Form feinverteilter siegellackartiger Klümpchen auf dem Filter zurück.
Behandelt man ebenso das Kontrollglas mit 25 ccm Hundehirnzellen-aufschwemmung -\- 5 ccm physiologischer Kochsalzlösung, wie vorher be-schrieben, so agglutinieren die zugesetzten Katzenblutkörperchen nicht undbeim Abfiltrieren gehen Blutkörperchen durch das Filter hindurch, ohne diecharakteristischen fein verteilten siegellackartigen Klümpchen zu hinterlassen.
Ergebnis: Durch diese 3 Versuche ist erwiesen, dass diemehrmals gewaschenen Hirnzellen vom Hunde bei Zusatzvon physiologischer NaCl-Lösung und Rizinauszug sich zuKlumpen agglutinieren, wie mit blossem Auge und mit demMikroskop nachzuweisen ist. Auch nach eintägigem Stehenlässt sich aus diesen Klumpen auf dem Filter durch Waschenmit Na Cl-Lösung das Rizin nicht entfernen. Wohl aber kannman diesen Zellen durch verdünnte Salzsäure das Rizinentziehen, und dann durch den Blutversuch zeigen, dass es
"•) Pauli, 25. Kongr. f. innere Med.; Wiener med. Wochenschrift 1908,No. 18.
a ) Alle Agglutinationsversuche mit Blut und anderen Zellen wurdenvon mir bei Stubentemperatur vorgenommen, also nicht im Brüteschrank.V. Kafka hat gezeigt, dass auch für Bakterienagglutination Stubentemperaturausreichend ist. Vergl. Zentralbl. f. Bakteriol., Erste Abt., Originale Bd. 40,1906, S. 559.