Druckschrift 
Organische Chemie
Entstehung
Seite
712
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

*ät*iMmt. jmmMH

712

Pflanzensubstanzen. Nomenclatur.

Cholesterin zeigt sich vielleicht in Form homologer Substanzen C 26 H 44 0 undC 27 H 46 0; es findet sich auch im Blut und Gehirn. Krystallisirt aus heissem Weingeistmit H 2 0 in rhombischen Tafeln; aus wasserfreien Lösungsmitteln in seidenglänzendenNadeln vom Smp. 145°. Im stark luftverdünnten Räume destillirbar. EinwerthigerAlkohol, der gut charakterisirte Ester liefert. Neuerdings wurden eine Eeihe demCholesterin verwandter Substanzen, meist pflanzlichen Ursprungs, bekannt.

Cholesterinester treten im Fett der rohen Schafwolle, dem Wollfett, auf, unddienen unter der Bezeichnung Lanolin (mit Wasser verriebenes AVollfett) oder Adeps lanaeals Salbenfette, die nicht ranzig werden und von der Haut leicht aufgenommen werden.

Substanzen, deren Constitution noch nicht feststeht,die jedoch wiederholt und theihveise bis in die letzte Zeit Gegenstandder Untersuchung waren, sind namentlich die folgenden:

Aloi'n, C 17 H 18 0 7 , in verschiedenen Aloearten; feine Nadeln von bitterem Geschmack.Scheint ein Anthracenderivat zu sein.

Brasilin, C 16 Hi 4 0 5 , Farbstoff des Brasilienholzes. Bildet in freiem Zustandeweisse glänzende Nadeln, deren Lösung in verdünnter Natronlauge unter Sauerstoffauf-nahme an der Luft carminroth wird. Dem Kesorcin verwandt.

Cantharidin, C 10 Hi 2 O 4 findet sich in den spanischen Fliegen und einigen an-deren Käfern; leicht sublimirende Prismen vom Smp. 218°. Blasenziehend. Gibt durchWasseraufnahme Cantharinsäure, C 10 Hi 4 O 6 ; mit JH Cantharsäure C 10 H 12 O 4 .

Carminsäure, C n H 15! 0 7 . In einer Sehildlausart, der Cochenille; leicht löslichepurpurbraune Masse; zweibasische Säure; gibt rothe Salze. Näheres B. 26, 2047; 27, 2979.

Chlorophyll (Blattgrün) findet sich in den grünen Theilen der Pflanzen; inseiner grünen alkoholischen Lösung zeigt es ein charakteristisches Absorptionsspectrum.

Cur cum in, vielleicht C 14 H 14 0 4 , der gelbe Farbstoff der Curcumawurzel; Kry-stalle vom Smp. 178°. Wird durch Alkalien braun.

Hämatoxylin, C 16 H 14 0 6 -f- 3H 2 0. Der Farbstoff des Blauholzes (Campeche-holzes) ; farblose Prismen, in Alkalien mit Purpurfarbe löslich.

Santonin, C 1 ,H 18 O s , wirksamer Bestandtheil der Wurmsamen (Blüthen von asiat.Artemisiaarten). Farblose Krystalle vom Smp. 170°, die sich am Licht rasch gelb färben.Derivat eines Hexahydrodimethylnaphtalins (B. 27, 530; 28. E. 392). Löst sich inheisser Alkalilauge als Santoninsäure, C 15 H 20 O 4 , die in freiem Zustande schon bei120° wieder in Santonin übergeht. Durch Kochen von Santonin mit Barytwasser erhältman die isomere Santonsäure, C 15 H 20 O 4 , schwer lösliche Krystalle vom Smp. 171".Zwischen diesen Körpern bestehen ähnliche Beziehungen, wie zwischen Cumarin, Cu-marinsäure und Cumarsäure.

Zur Nomenclatur der Kohlenstoffverbindungen.

Bereits in der ersten Ausgabe dieses Lehrbuchs wurde S. 698 f.dargethan, dass die Ausarbeitungeines einheitlichen Systemsder Kohlensto ff Verbindungen der Aufstellung einer einheitlichenNomenclatur vorausgehen müsse \ wie aber das erstere zu erreichensei, ist an zahlreichen Stellen der ersten und auch dieser zweiten Auflageerörtert worden. Ein einheitliches System ist in vollem Werden, eineeinheitliche Nomenclatur heute aber noch verfrüht, was übrigens klaraus dem Schicksal der bisherigen Versuche hervorgeht. Nichtsdesto-weniger hat es Interesse, von den Bemühungen um eine solche Nomen-clatur wenigstens in Kürze Kenntniss zu nehmen.

Chemiker verschiedener Länder (worunter 7 aus Deutschland und Oesterreich)haben sich im April 1892 in Genf versammelt und Vorschläge für die Nomenclatur derKohlenstoffverbindungen formulirt, die indessen noch unvollständig sind. Neben derüblichen Bezeichnungsweise soll hiernach jede organische Verbindung von be-