Keten.
615
in Aether, Benzol oder Eisessig auf. Die schweflige Säure reducirtdas Chinon zu Phenanthrenhydrochinon, C 14 H 8 (OH) 2 , aus luft-freiem heissem Wasser Nadeln, die an der Luft unter Färbung wiederin Chinon übergehen. Oxydation, in alkalischer Lösung schon derLuftsauerstoff, führt das Phenanthrenchinon in Diphensäure über (s. o.).
In seinen Reactionen verhält sich Phenanthrenchinon völlig wie ein Orthodi-keton. Es addirt 2 Mol. Blausäure; es condensirt sich mit 1 Mol. Hydroxylamin in alko-holischer Lösung zu einem Monoxim, C ]4 H 8 O(N0H), in heissem Alkohol leichtlöslichegoldgelbe Nadeln, Smp. 158°; bei anhaltendem Erwärmen mit überschüssigem Hydro-xylamin entsteht das Dioxim, C 14 H 8 (NOH) 2 , gelbe Prismen vom Smp. 202°; diesesletztere verwandelt sich beim Erhitzen mit Alkohol auf 150° vollständig in sein Anhy-drid, C u H 8 N a O, gelbliche Nadeln, Smp. 181°. Mit Orthodiaminen condensirt sich dasPhenanthrenchinon zu Phenazinen.
Reten, C 18 H 18 . Dieses höhere Homologon des Phenanthrens, einMethylisopropylphenanthren ist seit etwa 1858 bekannt. DieFormel stellte Fritzsche 1860 fest; die rationelle Formel ermitteltenBamberger und Hooker 1885 durch schrittweisen Abbau des Molecüls.
CH-C^
CO-C 6 Htj
CH— CgH;
'CH32x C 3 H 7
CH 3
CO
Keten
CO-CsHä^ «0 3 H 7
Retenchinon
CeH,
\ I /C0 2 HC6H2 ^C0 2 H
Diphenylen-Keton-dicarbonsäure
^C0 2 HCi2H 7 -C0 2 HC0 2 H
\
Diphenyl-tricarbonsäure
Das Eeten ist gewissermassen das „Cymol" der Phenanthrenreihe und wie dasCymol in nahen Beziehungen zu den Terpenen steht, verdankt auch das Reten (vonpTjTtw), Harz) seine Vorkommnisse und seine Gewinnung ausschliesslich dem Harz vonNadelhölzern, in denen sich gewöhnlich auch sein Wasserstoffadditionsproduct, derFichtelit (s. u.) vorfindet. Derart wurde Reten beobachtet in Torflagern von Zeitelmoosbei Wunsiedel im Fichtclgebirge, auf Fichtenstämmen eines Torflagers bei Redwitz inBaiern, in dem Erdharz von Kiefern eines Braunkohlenlagers bei Uznach in der Schweizu. s. f. Demgemäss findet es sich in den höchst siedenden Fractionen dos Theers harz-reicher Nadelhölzer; aus Harzöl (durch Destillation von Colophonium), das vermuthlichTetrahydroreten enthält, kann man es durch Erhitzen mit Schwefel (zur Entziehung desWasserstoffs) gewinnen.
Reten krystallisirt in glimmerähnlichen Blättchen vom Smp. 9S'h nund Sdp. 394°;" es ist in etwa 1'4 Th. siedenden Alkohols löslich^ undwird auch von Aether, Benzol und anderen Lösungsmitteln in der Wärmeleicht aufgenommen. Die geruch- und geschmacklosen Krystalle desRetens färben sich am Licht gelb und zersetzen sich beim Erhitzen ander Luft unter Braunfärbung. Retenpikrinsäure, C 18 H 18 + C 6 H 2 (N0 2 ) 3 OH,gelbe Nadeln, schmilzt bei 124°.
Tetrahydroreten C 18 H 22 . Aus Reten in siedender amylalkoholischer Lösungmit Natrium; leicht oxydirbares helles Oel, Sdp. 280° (50 mm). Dodek ahydrore ten,C 18 H 30 . Farbloses Oel. Sdp. 336°. Perhydroreten, Fichtelit, C l8 H 3ä . Vorkommen,neben Reten s. 0. Glänzende Prismen. Smp. 47—48". Gibt bei 150° mit Jod C l8 H S0 -
Betenchinon, C 18 H 16 0 2 . Man lässt zu 1 Th. Reten in 3'5 Eisessig eine Lösungvon 1'9 Chromsäure in 10 Eisessig zufliessen und kocht eine bis zwei Stunden. Langeorangerothe Prismen; Smp. 198'5°. Retenchinon verhält sich wie ein Orthodiketon:es condensirt sich mit o-Phenylendiamin zu einem Phenazin und löst sich in warmerKalilauge mit dunkelrother Farbe, die beim Schütteln an der Luft wieder verschwindet.Schweflige Säure reducirt zu Retenhydrochinon, C 18 H 16 (OH) 2 , das schon an derLuft Chinon regenerirt.