Aromatische Verbindungen.
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Methyl CH 3 ersetzt wurde. Die Ueberfiihrung der Anissäure in Anisol (C 6 H 5 -OCH 3 ,den Methyläther der Carbolsäure oder Phenylsäure, C 6 H 5 -OH), durch Erhitzen mit Aetz-baryt verbindet die Anisylg-ruppe mit der Phenylgruppe. V. Die Cinnamy lgruppe(1. c. S. 412 f.), deren Verbindungen den innigsten Zusammenhang mit denjenigen derBenzoesäuregruppe zeigen, indem z. B. die Zimmtsäure, mit überschüssigem Kalihydratgeschmolzen, sich unter Wasserstoffentwickelung in Benzoesäure und Ameisensäure spaltet.VI. Die Naphtalingruppe (1. c. S. 454), deren Verbindungen sich durch das Oxy-dationsproduct des Naphtalins, die Phtalsäurc, an die Phenylgruppe anschliessen: diePhtalsäure spaltet sich nämlich bei der Destillation mit überschüssigem Baryt in Kohlen-säure und Phenylhydrür (Benzol). Phtalsäure und Benzoesäure verhalten sich hiernachzu einander wie die Oxalsäure zur Ameisensäure. VII. Die Indiggruppe (1. c. S. 555!,deren Verbindungen sämmtlich aus dem natürlichen Indigo entstehen, und sich durchihre Metamorphosen ebenfalls an die Phenylverbindungen anschliessen. — Weniger Re-präsentanten wie die Benzoosäurereihe weisen die mit derselben homologen, in dennachfolgenden Abschnitten behandelten Reihen auf: die Toluylreihc. Xylylreihe.Cuminsäurereiho und Cy molreihe, welch' letztere in die Thymyl-, Terpentin-, undCamphergruppe zerfällt.
Aus diesem kurzen Ueberblick, der uns zugleich eine Reihe der auch jetzt nochpraktisch wie theoretisch wichtigsten „ aromatischen Substanzen'- vorführt, sieht man,wie in einem Zeitraum von etwa 20 Jahren auf der Grundlage der epochemachendenUntersuchung Wöhler's und Liebig's über die Benzoesäure, ein stattliches Lehr-gebäude aufgeführt worden war.
Inzwischen hatten sich die theoretischen Anschauungen in der obenbereits (S. 38—52) eingehend geschilderten Weise entwickelt: von derRadicaltheorie war man, auf Substitutionserscheinungen gestützt, durch dieTypentheorie hindurch zur Valenzlehre gelangt. Speciell die Kohlen-stoffverbindungen leitete man jetzt vom Methan CH 4 ab und sprach vonden Verbindungen des Methyls CH 3 nur noch gelegentlich, so dem Vor-schlage Kekule's und Couper's den Vorzug gebend vor dem gleich -werthigen Gedanken Kolbe's, welcher den Grundtypus der Kohlenstoff-verbindungen — damit an die täglich in der Natur sich vollziehendenSynthesen direct anknüpfend — hatte im Kohlendioxyd C0 2 (das erC0 4 , 0 = 8, schrieb) linden wollen. Es hatte das freilich die Folge,dass die Synthese nunmehr Alles vom Methan CH 4 ableiten musste(vgl. S. 72), um Theorie und Praxis mit einander • in Einklang zubringen; man kam deshalb auch weniger dazu, ausgehend vom Kohlen-dioxyd und die Natur nachahmend, den Process der Synthese in derRetorte möglichst so auszuführen, wie ihn der lebende Organismus täg-lich vollzieht. In dieser Richtung harrt noch jetzt eine Reihe der in-teressantesten und wichtigsten Aufgaben der Lösung. Andererseits ge-langte man aber auf dem eingeschlagenen Wege mit einer Sicherheitzu manchen Substanzen, die vermuthlich bei naturgemässerem Vorgehenminder rasch und leicht zu erreichen gewesen wären. Dagegen lässtsich nicht leugnen, dass für die Fettreihe die Wahl des Typus Kohlen-wasserstoff auch insoferne nicht die denkbar praktischste gewesen ist,als ja das Methan und seine Homologen sich verhältnissmässig wenigreactionsfähig erwiesen haben — woher ihr Name „Paraffine" (S. 67). Essind vielmehr in diesem Hauptgebiet der organischen Chemie die Car-bonsäuren (also substituirte Kohlensäuren) und Alkohole das fast aus-schliessliche Material zur Darstellung der übrigen Substanzen (S. 68).
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