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Organische Chemie
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Nitrosite und Nitrosate.

saugt in Folge ihrer Porosität das Dreifache ihres Gewichts an Nitroglycerin auf undden so erhaltenen Teig bringt man in Patronen aus Pergamentpapier. Entzündet,brennen solche Dynamitpatronen fast stets ruhig ab; ihre Explosion lässt sich nichtdirect, sondern nur mit Hilfe von Knallquecksilber (das man in ein Kupferhütcheneinfüllen und mit den Drähten eines Inductionsapparats verbinden kann) bewirken. DurchZusatz von 78 Proc. Schiessbaumwolle, bei 50° wird das Nitroglycerin in eine gela-tineartige Masse, die Sprenggelatine, verwandelt, die eines der energischsten heutigenSprengmittel bildet, bei ihrer Benützung aber weniger gefährlich ist, als das Nitrogly-cerin und auch unter Wasser gebraucht wird.

Nitroerythrit, C 4 H 6 (0 -N0 2 ) 4 , Smp. 61°. Entsteht beim Lösen des vierwerthigenAlkohols Erythrit in rauchender Salpetersäure. Durch Schlag heftig explodirend.

Cellulosenitrate. Man kennt ein Cellulosedinitrat C 12 H 18 (N0 3 ) 2 0 8und alle Zwischenstufen bis hinauf zum Hexanitrat C 12 H l4 (N0 3 ),.0 4 ,worunter die alsCollodiumwolle und S chi essbau m wo liebezeich-neten Präparate. Als wahre Salpetersäureester der Cellulose werdendieselben durch Alkalien leicht verseift.

Trägt man 1 Thl. Baumwolle in ein auf etwa 30° erwärmtes Gemisch von 20 Thl.gepulvertem Salpeter und 30 Thl. Schwefelsäure (P835) ein und wäscht nach 24-stün-digem Stehenlassen mit viel Wasser, so erhält man das Cellulosetetranitrat,Ci2H l(i (NO,) 4 0 6 .Colloxylin", meist mit Pentanitrat gemengt, welches sich in Aether-weingeist (68 Thl. Aether, 1 Thl. Alkohol) leicht löst und so als Collodium in derPhotographie, zum Verkleben von Wunden u. s. w. verwendet wird.

Lässt man Baumwolle einen Tag lang in einem Gemisch von 1 vol. Salpetersäure(1'5) mit 3 vol. Schwefelsäure (1'85) stehen, wäscht dann mit Wasser und zur Entfer-nung der tieferen Nitrate mit Aetherweingeisi (3 : 1), so erhält man das in Aether undWeingeist nicht lösliche Hexanitrat, Ci 2 H 14 (N0 3 ) 6 0 4 ,Pyroxylin", welches der Baum-wolle zwar äusserlieh noch vollkommen gleicht, aber weit brüchiger ist, sich bei ca. 160°entzündet und sehr leicht explodirt. In lockerem Zustande angezündet brennt das Pyroxylinruhig ab. Schiesspulver entzündet es dabei nicht. Seine Anwendung in der Spreng-technik ist von Wichtigkeit; die Explosion erfolgt durch Percussion; in den Torpedosvermittelst Knallquecksilbers. Wegen seiner explosiven Eigenschaften wird Pyroxylin amsichersten in angefeuchtetem Zustande aufbewahrt.

Nitrosonitrite (Nitrosite) und Nitrosonitrate (Nitrosate).

Solche von Wallach gelegentlich seiner Untersuchungen über dieTerpene näher studirten Verbindungen bilden sich auch aus Olefinen beiEinwirkung von N 2 0 3 oder N 2 0 4 , und enthalten neben der Isonitroso-gruppe noch den Rest der salpetrigen oder der Salpetersäure:

C 5 H 10 + N 2 0 8 = C 5 H 9 (N-OH)(0-NO) (Amylennitrosit).C 5 H 10 -j- N 2 0 4 = C 6 H 9 (N-OH)(0-N0 2 ) (Amylennitrosat).

Ein Nitrosat lässt sich auch darstellen durch Zusammenwirken vonAmylnitrit und Salpetersäure auf ein Olefin. Wendet man hierbei, stattder Salpetersäure, Salzsäure an, so erhält man Nitrosochloride,C 5 H 9 (N - 0H)(C1). Die Nitrosate, wie auch die Nitrosite, sind überausreactionsfähig und tauschen die Nitrat-, resp. die Nitritgruppe mit Leich-tigkeit gegen andere Gruppen um, wie z. B. gegen NH 2 , NHR, NR 2 ,wobei Nitrolamine entstehen.

Amylennitrosat, C 5 H 9 (N-OH)(ON0 2 ). Aus 11 cc. Amylen (Sdp. 36-38°),10 cc. Eisessig, 15 cc. Amylnitrit erhält man durch allmählichen Zusatz von 7'5 ccSalpetersäure (spec. Gew. 1'39) 10 gr. reines Nitrosat, das aus Benzol in Würfeln,Smp. 97°, krystallisirt. Anclj in Wasser, Alkohol, Aether leicht löslich. Gibt mit Anilin