Nitroverbindungen.
355
durch Alkalien vertreten werden kann, verhalten sie sich wie schwacheSäuren; bei weiterer Einwirkung von Alkali erfolgt Verseilung und manerhält das Salz der Diazosäure und Alkohol. Die Salze der Diazosäurenzerfallen bei Aufbewahren ihrer wässrigen Lösung allmählich; sofortigeZersetzung unter Entbindung von Stickstoff erfolgt beim Zusatz vonMineralsäuren.
Diazoessigsäureäthylester, N 2 :CH-CO-0-C 2 H., oberhalb —24° flüssig-; Sdp. 144°(720 mm) ; besonders in unreinem Zustande oft schon bei tieferer Temperatur explodirend.Mehrwöchentliches Stehenlassen mit viel kaltem Ammoniak verwandelt den Ester inDiazoacetamidN 2 :CH-CO-NH 2 , durchsichtige goldgelbe Prismen, die bei 112—114°unter lebhafter Gasentwickelung schmelzen. — a- Diazopropionsäureäthylester,CH 3 -C(N 2 )-CO-0-C 2 H 6 , gelbes, leicht zersetzliches Oel.
Unter der Einwirkung zahlreicher Eeagentien verliert der Diazoessigester Stickstoffund an dessen Stelle treten zwei einwerthige Kadicale; Kochen mit "Wasser liefert Gly-colsäureester; mit Alkoholen resultiren Alkylglycolsäureester; mit Säuren (wie Essigsaure)erhält man acetylirte etc. Glycolsäureester; Halogenwasserstoffsäuren liefern halogensub-stituirto Fettsäureester, wie CH 2 C1 ■ CO • O■ C 2 H 5 ; Halogene ergeben disubstituirte Fett-säureester, wie z. B. CHJ 2 -CO-0'C 2 H 5 . — Mit vielen ungesättigten Säuren (Acrylsäure,Fumarsäure etc.)bildet der l)iazocssigesterinteressanteCondensationsproducte(s.Trimethylen).
Triazoessigsäure, C 3 H 3 N c (C0 2 H) 3 , entsteht bei Einwirkung von concentrirtemwässrigen Aetzalkali auf Diazoessigester (durch Polymerisation von 3 Mol. Diazoessig-säure) und krystallisirt aus wässrigen Lösungen mit 3 Mol. Wasser in glänzenden, orange-gelben vierseitigen Tafeln. Sie schmilzt, rasch erhitzt, bei 152°; auf dem Platinblech er-hitzt, verpufft sie unter Blausäureontwicklung. Die neutralen Alkalisalze lassen sich ausheissem Wasser umkrystallisiren. Der Methylester bildet Täfelchen vom Smp. 107—108°: der Aethylester Prismen vom Smp. 110°; Ammoniak gibt mit dem Ester Tria-zoacetamid, glänzende unlösliche Blättchen, noch bei 300° beständig. Bei 00° gehtdie Triazoessigsäure allmählich in Trimethintriazid, C 3 H 6 N C , über, farblose langePrismen, Smp. 78°.
Die Triazoessigsäure zerfällt (Curtius 1888) beim Erwärmen mitWasser oder Mineralsäuren unter Aufnahme von 6 Mol. Wasser in Oxal-säure und Hydrazin (Diamid), N,B/ ) C 3 H 3 N 6 (C0 2 H) 3 -f- 6 H a O =3 C 2 0 4 H 3 -f 3 N 2 H 4 . (Vgl. B. 22, E. 133; 134; 196)
Nitroverbindungen.
Als Nitroverbindungen bezeichnet man Substitutionsproducteder Kohlenwasserstoffe oder anderer Substanzen, in welchen Wasserstoff-atome durch die Nitrogruppe, d. h. den einwerthigen Rest -N0 2 derSalpetersäure ersetzt sind, indem der Stickstoff der N0 2 -gruppe direct anKohlenstoff gebunden ist. Von hervorragender praktischer Bedeutungsind die Nitroverbindungen in der aromatischen Eeihe und. daher be-sitzen auch die analogen Abkömmlinge der Fettkörper theoretisches In-teresse. Letztere, z. B. das Nitromethan CH 8 - N0 2 , wurden (nachdemvereinzelte Repräsentanten schon länger bekannt waren) fast gleichzeitigvon V. Meyer und von Kolbe nach bequemen Methoden dargestellt,und dann namentlich seit 1872 von dem Ersteren einer eingehendenBearbeitung unterworfen.
Die Wichtigkeit der aromatischen Nitrokörper beruht mit auf ihrer bequemen,Darstellungsweise durch Einwirkung von concentrirter Salpetersäure auf Kohlenwasser-stoffe, wie Benzol, Toluol, Naphtaün; man hat z. B. für Nitrobenzol :Celle + NCvOH = C e H 6 -NO a + H 2 0.
23*
0
>