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Respirationsmaterial übertragen werden, dadurch den Zusammenhangin den Molecülen lockern, was unter Aufnahme von Sauerstoff zueiner Neugruppirung und bei öfterer Wiederholung bis zur Bildungvon Kohlensäure und Wasser führt. Das ist die Anschauung, wie sieNägeli sich gebildet hat für die Oxydationsgärungen, 1 ) die aberallgemein auf die Athmung übertragbar ist.
Die Theorie Liebig's vom stetigen Zerfall der organisirtenGebilde in einem Thiere und stetigem Wiederaufbau ist von denPhysiologen wohl allgemein verlassen, und ich erinnere mich, dassschon in den sechziger Jahren ein hervorragender Physiologe, meinhochverehrter Lehrer C. Ludwig, gegen diese Anschauung Frontmachte. Es kann in der Zeiteinheit nur ein wahrhaft minimalerVerbrauch von eigentlichem Protoplasma stattfinden; der bei höherenThieren beobachtete Eiweisszerfall nach der täglichen Nahrungs-aufnahme kann nach C. Voit's Untersuchungen nur auf dascirculirende Eiweiss bezogen werden, während der Verbrauchvon Eiweiss in Thieren bei Hungerperioden nur das in den Zellenin halborganisirtem Zustande gespeicherte Eiweiss, nicht aberdas eigentliche lebende Protoplasma der Muskeln und Drüsenbetreffen wird.
Dass die verschiedenen oxydirenden Gifte sehr grosse Unter-schiede in ihren Wirkungen zeigen, kann nicht Wunder nehmen,beobachten wir ja auch die grössten Unterschiede in der Intensitätund der Art des oxydativen Eingriffs, wenn organische Stoffe mitverschiedenen Oxydationsmitteln behandelt werden. Wir könnendie oxydirenden Gifte in mehrere Gruppen bringen:
I. Ozon, Wasserstoffsuperoxyd.
II. Chromsaure, mangansaure, übermangansaure Salze; unter-chlorigsaure Salze.
III. Chlor, Brom, Jod.
IV. Jodsaure, bromsaure, chlorsaure Salze.
V. Der Phosphor und im Anschluss hieran die arsenige Säure.
Ozon und Wasserstoffsuperoxyd liefern atomistischen, »acti-virten« Sauerstoff bei ihrer Spaltung im Plasma; die Phosphor-wirkung beruht zum Theil auf der Ozonbildung im Thierkörper,wie Binz mit Recht annimmt.
') Theorie der Gärung, S. 43.