Druckschrift 
Ein natürliches System der Gift-Wirkungen
Entstehung
Seite
5
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

— o —

das Anpassungsvermögen mancher Algenarten an hohe Temperatur.Obgleich die meisten Arten bei gegen 45° absterben, gibt es solche,welche im 53° warmen Wasser von Carlsbad, im 85° warmenWasser von Ischia, ja nach Brewer sogar in den 93° zeigendenThermen am Plutoncreek in Californien leben. Weed fand Algen(Protococcus, Conferven, Oscillarien, Desmidiaceen undDiatomeen) im 70—85° warmen Wasser des Yellowstonegebiet, 1 )Boussingault in 60° heissen Quellen von Venezuela. Ich selbstfand eine äusserst üppige Algenvegetation in den 48 ° zeigendenThermen des Canon San Diego bei Jemez in Neu-Mexico. 2 )

Die Zellen der Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae) sterben baldin 75° warmen Wasser, in trockener Luft dagegen sollen sie nachLuerssen 100—130° vertragen. Erstaunlich ist die Resistenz mancherSpaltpilze gegen höhere Temperatur; so kann nach Nägeli der Ba-cillus subtilis stundenlang ohne Schaden im kochenden Wasser ver-weilen, der Bacillus thermophylus entwickelt sich noch lebhaftbei 50—65° (Miqucl) und soll noch bei über 80° Fäulniss erregenkönnen. — Das Protoplasma des Schleimpilzes (Aethalium septicum)coagulirt bei 40° (Kühne.) Thierische Zellen dürften wohl nurselten mehr als 50° vertragen können. — Nach Kühne sterbenMeerwasseramoeben schon bei 35°, während Süsswasseramoebenerst bei 40—45° zu Grunde gehen.

55° heisse Speisen greifen die Zellen der lebenden Magenwandbedeutend an, es entsteht Schleimhautcatarrh, 60 ° heisse Speisenführen Geschwürsbiklung herbei (Späth).

Ebenso wie gegen Hitze ist die Resistenz auch gegen sehrniedere Temperatur verschieden. Bei den Spross- und Spalt-pilzen ist die Resistenz am grössten. Bierhefe wird durch eineTemperatur von —113°, Fäulniss-Bacterien nicht durch eine von—80° geschädigt. Erysipelstreptokokken können lange Zeit auf—17° abgekühlt werden, ohne Schaden zu nehmen (Emmerich).Samen sind resistenter als entwickelte Pflanzen. Nach De Can-dolle keimten Samen noch nachdem sie zwei Stunden einer Tem-peratur von —80° ausgesetzt waren. Fäden der Alge Spirogyrasind nach kurzer Zeit bei —14° abgestorben. Sehr empfindlich sind

') Botanisches Centralblatt 1890.

s ) l'etermann's Geogr. Mittheilungen 1874.