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Wege» Abnützung des Pflasters durch Anschlägen von Sabeln ein Schaden von einigen TausendGulden hätte erwachsen müssen, wohl nie länger diese goldene Freiheit!! genossen hätte!
Verzeihe der Leser diese kleine Abschweifung. Wenn man jedoch Gelegenheit hat, dasLeben und Treiben auf den Landschulen näher beobachten zu können, dann kann nur mächtigder Wunsch sich nähren, daß das h. M.') des Unterrichts so schleunig als möglich, wenigstensin etwas das Landschnlwcsen heben möchte.
Man spricht so viel von Reformen in den Gymnasien und F-acultätcn: ich bin derMeinung, die erste Umstaltung muß in den Volksschulen geschehen, denn wie kann ein Menschin den Geist, ja nur in das rein Mechanische der lat. und gricch. Sprache cindringcn, dernicht einmal die nothwendigstcn Kenntnisse in seiner Muttersprache besitzt. Daß diese Wortegewiß nicht übertrieben, zeigen leider tausend und abermal tausend Beispiele an Gymnasial-und Fncnltätsschnlcn.
Daher nochmal, die ersten und nothwcndigsten Reformen bei dem Volks- vorzüglichLandschnlwcsen, zuerst bei denjenigen, die den Unterricht ertheilcn, gerade herausgesagt, dieersten Reformen bei den Landschullehrern! Ich will so ganz kurz das Bild eines Landschul-lehrers skizzircn.
Ein Mann von mehr als mittelmäßigen Keiintnissen, dabei die personisicirte Bornirt-heit und Faulheit, dabei voll Arroganz oder Wichtigthnerci, und, was dem Ganzen dieKrone aufsctzt, mcistcnthcils dem Trnnke ergeben. So sind diejenigen beschossen, die denkünftigen Staatsbürger bilden sollen. Daß cs viele ehrenwerthc Ausnahmen gibt, bedarfwohl keiner Erwähnung. Dies gilt von dein Schulwesen ans dem Lande, nun wollen wirein paar Blicke auf die .Kirchenmusik ans dem Lande werfen.
Pabst Ambrosius führte die Musik in den Kirchen ein, um durch die alte heiligeKunst die Andacht zu beleben, und überhaupt den religiösen Cultns zu heben. Hätte er abervoransgesehcn, zu welchem Grade der Profanitttt die Kirchenmusik (der Musikschulen inStädten, welche zu oft in Conzcrtsäle umgcwandelt werden, gar nicht zu gedenken) steigenwürde, wahrlich er hätte cs nicht gcthan. Denn, daß man die Melodien des bekannten „Leb'wohl" ans dem „Zanberschleier", ferner des Liedes „Brüdcrlcin sein" re. lateinischem Texteunterlegt, hört, darf wohl nicht befremden, aber den höchsten Grad von Erstaunen zwangmir ein Musikstück ab, welches ich zur Weihnachtsfeier in einem österreichischen Dorfe währenddes Hochamtes hörte. Es war einem deutschen Texte unterlegt, den ich hier der Raritäthalber mittheile: „Lauft's Hirten, lauft's hin!" Vor mehreren Jahren war auch ein soge-nanntes Pastorale im Umlauf, wo die Hirten beim 6Ioria mit den Worten beginnen: „Wosis dös für a Gschroa, dös müaß'n Engel sein!" worauf die Engel wieder: »Oloria insxcslsis Deo". Solches unsinniges Zeug soll die Gemeinde erbauen, soll die Andacht befördern,und wird in diesem Jahrhundert der Aufklärung geduldet!
Bemerkungen zur Vocal-Messc Nr. 2. (in 6).
Vor Allem muß ich bemerken, daß, was ich hier nicderschreibc, die Absichten, die ichhatte, die Wirkung, die ich erzielen, den Charakter, welchen ich in die Melodie legen wollteund möchte, kennzeichnen soll; ob mir die Verwirklichung gelungen, steht ja nicht meinemUrtheil zu. Ich schrieb diese Messe nicht ohne hemmende Einflüsse: cs sollte der Tenor nichtzu hoch, der Baß nicht zu tief, leicht zu treffen, das Ganze nicht zu lang und bei der dadurchbedingten Einfachheit doch das Harmonisch Modnlatorischc nicht interesselos sein. Ich hielt
>) Hohe Ministerium.
r) Seit der ersten Aufführung dieses Stückes (Fcbr. 1812) war die Musik, welche E. Titl dazu schrieb,sehr populär geworden. Am 20. November 1816 erlebte das Stück schon die Dreihuudertste Ausführung.Wiener A. M. Z. VI. S. 572, jedoch soll das Interesse daran »ach der 200. Aufführung bereits merklichabgcnommcu haben. Fr. Schlögl, Vom Wiener BolkStheater. Wien <1881) S. 80.