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Programm:
Marsch und Chor a. d. „Ruinen von Athen" (Singvercin, Orchester);
Fidelio — Arie (Frau Wilt);
Conzert in Rs — Liszt;
Schottische Lieder — Liszt, Bettelheim, Hcllmesbergcr, Hummer;
Fantasie s. Clavicr, Chor und Orchester — Liszt rc.
Können Sie da widerstehen? Ich kann mir's nicht denken. Mit den herzlichsten Grüßenan Sie u. den Herrn Gemahl Non meiner Marie und mir bleibt Ihr aufrichtig ergebener
Wien, am 4. März 1877. I. Herbert.
7ln Georg Huhn, Dirigent des Regensburger .Ficderkranz".
Euer Hochwohlgeboren!
Wollen mir nicht gram sein, daß meine Antwort ans Ihr freundliches Schreiben solange ans sich warten läßt. Ich gestehe aber mit vollster Offenheit, daß die peinliche Zn-mnthnng, ich selbst solle im vorliegenden Falle die Höhe des Honorares bestimmen, michnicht zmn Schreiben kommen ließ. Endlich ninß ich aber doch Ihre Geduld in Anspruchnehmen, um meine Meinung darznlegen.
Die geehrten Herren AnSschnßinitglicder waren so freundlich, mich in ehrender Weiseanfznfordern, Ihnen eine Composition gegen Honorar zu überlassen. Ich übersendete hieraufeinen Chor, der zu meiner große» Freude, Ihnen ausnehmend gefiel, den Sie, hochgeehrterHerr, sogar weit über Gebühr hochstelltcn u. erlaubte mir gleichzeitig zu schreiben „die ange-regte Honorarangelegcnheit" überlasse ich zur Austragung dem löbl. Ausschuß, da ich ja über-zeugt bin, daß Sie den bei Herausgabe von Sammelwerken manchmal geübten Modus nachder Seitenzahl der Tenorstimmc zu honorircn, nicht anwendcn (selbstverständlich nur, wennIhnen das Lied paßt) für das ich ebenfalls, selbstverständlich keinerlei Neberschätzung beanspruche-
Ich kann Euer Hochwohlgeborcn auch heute leider nichts Anderes schreiben, glaubeaber, die Lösung der Frage wird den geehrten Herren keine Schwierigkeit machen, nament-lich, wenn Sie so freundlich sind, die Schlußworte des Satzes zu beachten, in denen sichwahrlich keine unbescheidene Forderung verbirgt, daß ich nämlich „keinerlei Neberschätzung"— d. h. in klingender Münze ansgcdrürkt — beanspruche.
Ich würde, aufrichtig gesagt, lieber ans jedes Honorar verzichten, als diesen Briefschreiben, kann es jedoch ans prinzipiellen Gründen nicht thnn. Gestatten Sie mir eineErläuterung!
Euer Hochwohlgcboren wissen nämlich gewiß so genau, wie Andere n. ich, daß vor-nehmlich jene deutschen Componistcn, die Besseres, Edleres anstrcben n. zu erreichen vermögen,in der Regel von Verlegern kaum das erhalten, was man „ein anständiges Honorar" zunennen Pflegt. Sie Nüssen auch zuverlässig aus eigener Erfahrung, wie oft der Musikerdurch seine künstlerischen Leistungen ohne Entlohnung, und reichlich beiträgt — weitaus reich-licher als der Dichter, Maler n. s. w. wenn es sich um Förderung wohlthätigcr Zweckehandelt. Ohne mich im mindesten rühmen zu wollen, muß ich cs bei der Gelegenheit sagen,daß mein langjähriges Wirken mich sicher auch vor dem leisesten Vorwurf schützt, als hätteich, gerade nach der bezeichncten Richtung hin, das Meine nicht im vollsten Maße bcigetragen.
Ans dem Angeführten die vollste Berechtigung meiner „prinzipiellen Gründe" abzn-leiten, überlasse ich mit größter Beruhigung Ihnen, hochgeehrter Herr! und ohne auch nurdie geringste Mißdeutung zu besorgen, füge ich noch hinzu: Die deutsche» Sing- und Mnsik-vereinc, welche schon so viel Treffliches n. Rühmliches getha», wären in erster Reihe berufen,in gerechter Würdigung all deß, das die schaffenden Musiker zur Förderung der künstlerischen,geistigen, (indircct vielleicht auch materiellen?) — Interesse» der Vereine bcigetragen, dasGesetz der Wechselwirkung zu beherzigen, u. über ihre idealen Bestrebungen der an der Erdeklebenden materiellen Interessen der Componisten nicht zu vergessen.