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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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Liszt an kscrbeck.

Hochverehrter Freund,

Fräulein Eh uns liebenswürdige Bereitwilligkeit erfreut mich sehr, und ich bitte Sie,unserer Elisabeth meinen aufrichtigsten Tank zu melden. Uebermäßigc Anstrengungenwird Ihr der Part nicht kosten; alle möglichen Aendernngcn, Fermaten, Pnnktirnngen, Orna-mente bleiben gänzlich ad libitum, dem Wohlgefallen der gnädigen Süngerinn überlassen.Schreiben Sie mir weiter nichts darüber, und trachten Sie blos, daß Fräulein Ehun sichin meinen dürftigen Tonweisen bequem und angenehm zu Hanse befindet.

Freund Remünhi, den ich Ihnen zu entpfchlen nicht bedarf, übcrbringt Ihnen dieseZeilen. Er entzückte und begeisterte hier den Hof und das Publicum, was wahrlich nichtsGeringes ist, da man in Weimar an die bedeutendsten Violin-Virtnoscn gewohnt. Ich beauf-tragte ihn bestens zu sagen, wie sehr ich Ihnen für die Idee eines Conzcrt's mit Liszt'schenCompositioncn dankbar bin.

Um aber jedweden Schein von Unbescheidenheit oder Aufdringlichkeit zu vermeiden,erachte ich als füglich und rnthsam, diesmal bei der Elisabeth ausschließlich zu verbleiben.

Halten wir also die beiden Punkte fest: n) Sämmtlichc Parthien der Elisabeth miteinheimischen Kräften zu bestellen; ft) Die Critik nur mit diesem Werk zu belästigen.Auch meine kleine Logis-Angelegenheit ersuche ich Rcmvnyi mit Ihnen zu besprechen. MeinWiener Aufenthalt wird sich ans 8 bis 10 Tage beschränken, welche ich möglichst still,fricdsam, und außerhalb dem störenden Visitenkreis znbringen möchte.

Mil aufrichtiger Verehrung freundschaftlich ergebenst

Weimar 27. Jänner 69. F. Liszt.

bserbeck an Liszt.

Hochverehrter Freund und Meister!

Wenn Ihnen seit einer Reihe von Jahren meine brieflichen Mittheilnngcn ein Beweismeiner freundschaftlichen Verehrung und Ergebenheit sein sollten, so müßten Sic mich wahr-haft für einen Abtrünnigen halten, hat sich doch meine Lässigkeit im Bricfschreiben zneiner förmlichen Manie hcransgebildet. Ich kann mich jetzt leider nicht zn denjenigen derIhren zählen, welche einen lebhaften brieflichen Verkehr unterhalten und gleichzeitig werkthätig sind und ich bitte Sic daher, in Ihrer gewohnten Güte und Milde meiner eingestnndencn Schwäche gegenüber ein Auge zuzudrückcn, das andere aber offen zu halten füreinen alterprobtcn activen Freund, der unbeirrt von Allen und Allem für Ihre Sache übcr-zcuguugsvoll einstcht.

Nun ohne weiteres Präambnlnm zur Sache selbst. Ware cs Ihnen, hochverehrterFreund, angenehm, wenn ich etwa Anfangs April dieGrauer Messe" in der Hofkapelleaufsührcn und ferner dieGlocken von Straßbnrg" am 22. März in einem Abcndconzerteim Opcrntheater (mit dem kolossalen Orchester und Chor des Opcrntheatcrs) feierlichsterklingen lasse?! Ich fürchte von Vornherein, Sic werden aus Gründen, die ich gar nichtweiter erörtern will, starke Neigung haben, bezüglich des zweiten Thcilcs meines AnliegensNein" zn sagen, bitte Sic aber dringend um einJa". Die Motive meiner Bitte sind starkund rein selbstlos; erfreuen Sic daher mit nur einer zusagenden Zeile oder gleich mitUebcrscndnng der Straßburger Glocken-Partitnr Ihren in aufrichtiger, unerschütterlicher Ver-ehrung ergebensten Freund I. Herb eck.

Wien, am 23. Februar 1875.