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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
361
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„Excellenz, ich schlage vor die „Königin von Saba" von Goldmark auf-zuftthrcn."

„Lieber Direktor! können Sie mir garantiren, daß diese Oper sich amRepertoire erhält?"

Herbeck (lachend): „Euer Excellenz, der Mnsiker mns; erstgeboren werden,der so etwas prophezeien kann."

„Aber ich bitt' Sie die Genoveva, die sich nicht halten wird."

Herbeck, einfallend: „Wer weiß."

Graf: „.dann wieder so a Oper, »a na, nur ka zweite russische

Oper." ')

Vorläufig mußte Hcrbeck also von seinem Vorhaben abstehcn. Inzwischenging „Aida" mit außerordentlichen: Erfolge über die Bretter, und Herbeck bean-tragte, gestützt ans diesen, — im Sommer 1874 — neuerlich die Aufführung der„Saba" unter der Voraussetzung, daß der Compouist ans eine ganz neue Aus-stattung der Oper Verzicht leiste. Die Entscheidung des Grafen lautete dahin,daß er nicht gesonnen sei, die Königin von Saba aufführen zu lassen, bevordie Oper nicht auf einer anderen Bühne mit gutem Erfolge gegeben wordenwäre. Das heißt doch die Würde einer Bühne, welche vermöge ihrer künstlerischenStellung gerade zu ersten Ausführungen bedeutender Werke berufen erscheint,in unverantwortlicher Weise herabsetze»! Dergleichen Entscheidungen und denAngriffen gegenüber, welche er in den Zeitungen und musikalischen Cirkcln in Folgeder durch jene herbcigeführten, aber nicht von ihn: verschuldeten Verzögerungenzu erdulden hatte, stand Hcrbeck völlig macht- und wehrlos gegenüber. 2 )

Graf Wrbua war inzwischen znrückgctrete», und der neue Intendant gab,nachdem Goldmark förmlich erklärt hatte, daß er sich von dem musikalisch-dramatischen Werthe seiner Oper mehr erwartete, als von der äußeren Ausstattung,welche allerdings erwünscht, aber nicht unerläßlich wäre, endlich die Bewilligungzur Aufführung. Die Decorationen konnte» mit Benützung solcher aus „Sar-danapal" theilwcise zusammengcstellt werde», nur Salomo'S Palast im 1. Acte,das Innere des Tempels in: 2. und die Apotheose in der Wüste in: 4. mußtenneu hergestellt werden; der Bedarf an Costttmeu fand durch den vorhandenenVorrath vollständig Deckung. Große Schwierigkeiten verursachte dagegen dasmusikalische Studium, denn abgesehen davon, daß die Oper von beträchtlicherLänge ist, bietet sie besonders dem Orchester nnd den: Chore bedeutende Schwierig-keiten. Um dem Leser eine» Begriff von denselben zn machen, sei erwähnt, daßGoldmark in der Königin von Saba den: Chorpcrsouale eine bedeutendgrößere Ausgabe zn lösen gibt, als Richard Wagner in: Lohengrin, welch'letzteres Werk bis znm Erscheinen des crsteren als die größte „Choroper"galt. Während Lohengrin 840 Chortakte zählt, enthält die „Saba" deren

>) Anspielung ans Fernmors, siche Brief vom 26. September 1873, Anhang S. 88.

2 ) Nachträglich erfahr er, daß die damalige Hintertreibung der Anfsührnng hauptsächlichein Werk Richard Lewy's war.