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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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verschafft zu haben. Erst nach der Wiener Aufführung liehen sich die Buhnenvon Weimar, Hannover und München und später noch viele andere zu einerAnnahme des Werkes bestimmen, im Jahre 1880 gelangte es auch in Londonmit Minnie Hanck in der Titelrolle zur Darstellung.

Goetz spricht, ohne die Verdienste des Capellmeisters Frank in Mannheim,der sich seiner Sache mit Liebe angenommen, 2 ) irgend zu schmälern, in seinenBriefen oft darüber ans, wie vielen Dank er Herbcck schulde. Diese Briefesind wcrthvollc Schriftstücke. Jede Zeile kennzeichnet ihren Schreiber als einenfei» gebildete», edlen Menschen, der, obwohl moralisch gedrückt, sei» Unglückmit einer wahrhaft catonischcn Größe trug. Obwohl er jeden Anlaß ergreift,um Herbcck's Talente und Verdienste zu würdigen, verfällt er doch nie in denTon eines Menschen, der, seine Würde vergessend, des Vorthcils halber znmSchmeichler wird. Er war sich seines Wcrthcs wohl bewußt, und Gocthe's Wort„Nur Lumpe sind bescheiden" wird durch Goetz wieder einmal schlagend bewiesen.Seine Oper „Der Widerspünstige» Zähmung" zeigt denn auch von einer bedeu-tenden schöpferischen Kraft und einer, angesichts eines dramatischen Erstlings-werkes geradezu erstaunlichen Kcnntniß der Bühne.

Die Oper wurde auch in Wie» mit den von Frank herrührcndcn, vomEomponisten gebilligten Strichen gegeben, ohne daß man die MannheimerMängel mit herübernahm. lieber einzelne sccnische Details schrieb Goetz anHerbeck ganz vortreffliche Bemerkungen, deren Mittheilung dem Theaterfreundsehr willkommen sein mag, weil sie ihm die Gelegenheit geben, sich die feinstenTriebräder des großen Uhrwerkes, Bühne genannt, genauer besehen zu können.Mit welchen: Ernst wird da über scheinbare Kleinigkeiten verhandelt, was wirdnicht alles über einen Pferdesattcl, über die Stellung eines Tisches, einesWagens geschrieben, wie genau muß das alles klappen, damit der gewünschteEffect nicht beeinträchtigt werde! Die Schlnßscene des 3. Actes z. B., woGrumio im Saale mit zwei Pferden zu erscheinen hat, ans deren eines Petrncchiomit Katharina sich schwingen sollen, wurde besonders umständlich erörtert. Da-mit diese Flucht eoraw pnblieo leicht von Statten gehen könnte, stellte derComponist der Direktion einen eigens eonstrnirten Sattel zur Verfügung, answelchem beide Darsteller bequem Platz finden konnten; Herbcck änderte aber imEinverständnisse mit Goetz die Scene, welche bei einiger Acngstlichkcit der betref-fenden Sängerin mißlingen hätte können, dergestalt ab, daß er einen einspännigenWagen in den Saal fahren ließ.^) Bei der letzten Probe befahl aber FürstHohenlohe, daß das Hereinfahrcn des Wagens zu unterbleiben habe, nahm je-doch auf die Gegenvorstellung Herbcck's, daß dadurch der komische Effect desActschlusses bedeutend leiden würde, den Befehl wieder zurück. Nachträglichnahm ein Kritiker, Eduard Schelle, Anstoß an dieser Scene. Solche Ausstellungen

') Neue Freie Presse Nr. 5534, Jahr 1880.

2 ) Frank war früher noch unter Herbeck Correpetitor au der Wiener Hofoper.

3) Bergt, den Briefwechsel zwischen Goetz und Herbcck, Anhang S. 2 ff.