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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
351
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Ei» Chorist stellte gelegentlich der Einberufung zur Militär-Dienstleistungdas Ansuchen um eine Aushilfe. Hcrbeck beantragte fünfundzwanzig Gulden,die Intendanz verweigerte die Verausgabung dieses Betrages. Trotzdem erhieltder Chorist ohne Wissen der Direction über Auftrag der General-Inten-danz diese fünfundzwanzig Gulden und zwar von der Cassa des Hof-Op ernth eaters ausbeznhlt.

Es soll eine Coufercnz in Betreff des Engagements eines dritten Capcll-mcisters stattfindeu. Zu derselben haben außer dem Fürsten Hohenlohe und GrafenWrbna laut Auftrages des Gcucral-Jntendauten blos die Capellmcister Dessosfund Fischer und Professor Hanslick zu erscheinen.

„Bei Schlichtung dieser dclicaten Sache", äußert Herbeck, „bei welchervon Thcaterangehörigcn außer dem Director, höchstens die speciellsten zweiFachleute mitzuratheu berufen werden können, darf mau keine» anderen, wasimmer für einen Namen habenden Bediensteten des Theaters in's Mitleidziehen, will man anders den Director nicht absichtlich verletzen."

Nachdem also vom General-Intendanten selber blas die oben genanntenPersonen als Theilnehmer dieser Conferenz bezeichnet worden waren, erfloßvon Seite der General-Intendanz ein vom NegicrnngSrathe Eisenreich gezeich-neter Auftrag an die Direction, daß auch der Dberinspector Lcwh dieser Be-sprechung beiznzichen sei. Da um diese Zeit das persönliche Verhältnis! zwischenHcrbeck und Lewh bereits ein sehr gespanntes war — wovon bald ausführ-licher die Rede sein wird — und der Negiernngörath hiervon Kenntniß hatte,so lag die Absicht, welcher dieser Auftrag entsprungen war, klar am Tage,und Hcrbeck mußte nach solchen Erfahrungen bald zu der Erkcnntniß gelangen,daß die meisten Verfügungen seiner Vorgesetzten Behörde nur aus dem Grundeerlassen wurden, um seine ohnehin wenig beneidenswcrthe Lage noch unange-nehmer zu gestalte».

Herbeck richtete, als er diese Willkürlichkeitcn, welche wie mit der Absichtgeübt wurden, seine Autorität im Hause zu schädigen, nicht mehr länger duldenkonnte, ein Schreiben an den Kanzlei-Chef der General-Intendanz, Ncgierungs-rath Eisenreich/) worin er viele solcher Fülle anfzählte und ganz offenseiner Meinung Ausdruck gab, der Negierungsrath treibe kein ehrliches Spielmit ihm. Wohl folgte Replik und Duplik, im Grunde genommen blieb aberalles beim Alten, nur mit dem Unterschiede, daß die für Hcrbeck bestimmtenHiebe von mm an mit größerer Vorsicht ansgethcilt wurden.

Herbcck sah ein, daß es so nicht weiter fortgehen könne. Bald nach seinerRückkehr von der Ferienrcisc begab er sich zum Obersthofmeistcr Fürsten Hohen-lohe, um zu erklären, daß er ein segensreiches künstlerisches Wirken unter solchenVerhältnissen für eine Unmöglichkeit halte, und den Fürsten zu bitten, er möge

>) Brief vom 5. Februar 1874, Anhang S. 89.