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Johann Herbeck : ein Lebensbild
Entstehung
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Abschied zu nehmen. Dieser Schritt wurde Herbeck vielfach znin Borwurfegemacht und großentheils mit der ganz richtigen Begründung, daß er dasConccrtlcben Wien's dadurch schwer schädigte. Aber Herbert war nicht derMann, der an die Unersetzlichkeit irgend eines Menschen, geschweige denn andie seiner eigenen Person glaubte. Bei aller Erkenntnis' seines eigenen Wcrthes,mußte er sich sagen, konnte ja doch ein Mann gefunden werden, welcher dieLeitung der Gesellschafts-Concertc in würdiger Weise fortftthrte. Sein Nach-folger hatte cö ohnehin bequem. Ein ausgezeichnetes Orchester, ein unüber-trefflicher Singchor, ein reiches abwcchslungsvolles Repertoire, alle diese Factorcneines geordneten Concertwescus, die Hcrbeck im Schweiße seines Angesichtes,wie ein moralischer Gladiator kämpfend, erst schaffen mußte, sie standen dem-jenigen, der sein Erbe antrat, fertig zur Verfügung. Die Theater-Laufbahnanderseits wies ein zu reizendes, verlockendes Ziel ans und bot ihm überdiesi» pecuniärer Beziehung solche große Borthcile, daß er als vorwärts strebenderMann und guter Familienvater sich nicht leicht entschließen konnte, ihr zu entsagen.

Nachdem also seine Entscheidung getroffen war, stand er vor dem schwerenAbschied von einem Institute, welchen: er zwölf Jahre hindurch seine edelstenKräfte mit voller Hingebung gewidmet und das er hinanfgehoben hatte zu demersten Concert-Institnte Deutschlands. Am 30. April veranstaltete die Gesellschaftdie Abschiedsfeicr. Das Eoncert sollte eine Revue über die Glanzleistungen desInstitutes bilden. Das Orchester spielte Schubert's I4-mo11-Sy:::phonie, derenAuffindung man Herbeck zu verdanken hat, und die Balletmnsik zu „Nosa-mnnde"; der Singverein brillirte mit dem Vorträge Schnmann'schcr Chöre,des 43. Psalms von Mendelssohn und einer kleinen Eomposition Herbeck's;an Ensemble-Nummern brachte er LiSzt's „Chor und Marsch der Kreuzfahrer"aus „Elisabeth" und an: Schlüße Beethoven's Phantasie für Clavier, Orchester,Chor und Soli. Dieses Stück bot alten der Gesellschaft zur Verfügung stehendenKräften Gelegenheit, nochmals vereint unter Herbeck's Stab zu wirken. SeinLieblingspianist, Julius Epstein, besorgte ans einem wahren MeisterwerkeBö sendorfcr's den Elavierpart. Als der letzte Accord der Phantasie verklungenwar, ging ei» wahrer Sturm von Beifall dnrch's Hans. Hcllmesberger undder Vorstand des Singvereines, Or. Vietor Ritter von Naindl, überreichtenden: scheidenden Führer prachtvolle Lorbcerkränze. Das Publicum, welches bisznm Schlüße dieser Ovation geblieben war, erwartete, daß Herbeck einige Wortesprechen werde, allein er fühlte sich zu ergriffen, als daß ihm dies möglichgewesen wäre. Einer „hinter den Conlissen" vorbereitet gewesenen privatenOvation des Singvereines wich er aus. Still, als ob er sich ans der Fluchtbefände, hat er das Haus verlassen. H

') Das Erträgnis; dieses Coiiccrtcs in der Höhe von 1200 fl. widmete ihm die Gesell-schaft als Zeichen ihrer Anerkennung. Bei dieser Gelegenheit mag eine Ilebersicht der gesell-schaftlichen Bezüge Herbeck's seit dem Jahre 1861 interessiren: