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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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„Wagncrdirigenten" Hans Nichtcr geleitete» Aufführungen i» keiner Beziehungan jene Herbeck's hinanrcichten.

Es mögen übereifrige Freunde Wagner's und vernmthlich keine FreundeHerbeck's gewesen sein, welche dem Meister ein erschreckendes Bild von denersten Vorstellungen der Meistersinger gemalt haben. Nach dem üblichen Dankes-Telegramme trafen ans elektrischem und brieflichem Wege Acußernngen undAuslassungen aus Luzern ein, welche die Aufführungen in einer für Hcrbeckund die Dircctiou eben nicht schmeichelhaften Weise kennzcichnetenZ) und derenTenor in dem Verlangen »ach Abhilfe einiger „Hauptgebrechen" bestand. Vorallem verlangte Wagner die Besetzung der Partie des Walther durch Lnbatt.Dieser übernahm in mancher der späteren Aufführungen wirklich die zuerst vonWalter gesungene Partie, vermochte aber seinen College» im lyrischen Thcilederselben — und die Partie ist vorwiegend lyrisch — bei weitem nicht zuerreichen. Von den zwei einzigen für diese Nolle geeigneten Wiener Tenoristenwar also Walter entschieden vorzuzichcn. Der Beckmesser wurde von Campevorzüglich dargestellt. Trotzdem verlangte Wagner, als ob es überhaupt nureinen guten Darsteller des Beckmesser gäbe, derselbe möge durch Hölzl ersetztwerden. Herbeck kannte Hölzl's Leistung in dieser Oper von München her, und erantwortete auf diese Forderung trocken, daß ihm Hölzl wie ein Bajazzo gegen Campeerschiene; ebenso hielt er die Berufung der berühmten Mallinger zur Darstellungder Eva ungeeignet. Obgleich er dieselbe über alle ihm bekannte» lebendendeutschen Sängerinnen stellte, so konnte er Wagner's Forderung doch seineZustimmung nicht crthcilcn, weil die materiellen Mittel dieser Dame für einersprießliches Wirken in dem großen Hause nicht ausgereicht hätte» und dasPublicum in Folge dessen sich in den Hoffnungen, welche es angesichts desaußerordentlichen Rufes der Mallinger in dieselbe zu setzen berechtigt war, unan-genehm enttäuscht gefühlt haben würde. Daß Hcrbeck kein Feind von Gastspielenwar, beweist schon die stattliche Reihe von Gästen, die unter seiner Directiouin der Hofoper anftraten, allein bei einer ersten Meistersinger-Aufführung konnteer nur den praktischen Rath Liszt's: „sich zu Hause gehörig einrichten, bleibtimmer das Zweckmäßigste" befolgen. Eine Operuuovitüt aber mit Gäste» besetzen,hieße öffentlich dem Institute ein beschämendes Armuthszengniß anSstcllcn. Herbcckwar über die Mängel der Darstellung der Rollen durch die Wiener Säugersich völlig im Klaren und aufrichtig bemüht, dieselben, soweit dies eben durcheine zweite Person möglich ist, zu beheben. In Beck z. B., dessen Leistung ihmdurch seine ernste und begeisterte Auffassung der gestellten Aufgabe, wie durchden eisernen Fleiß, welchen er entwickelte, bewunderungswürdig erschien,2) erblickteer zwar keinen idealen Hans Sachs, aber er konnte die zwingende Nothwendigkeit,ihn mit dieser Rolle zu betrauen, aus dem Grunde unmöglich abwcisen, weil

y Vcrgl. darüber den ausführlichen Briefwechsel zwischen Herbeck und Wagner, AnhangS. 31 ff.

y Vcrgl. Brief vom 16. Februar 1870, Anhang S. 84.

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