dieses Werkes, deren man sich i» Wien erinnert und wahrscheinlich auch diebeste, deren sich irgend eine Stadt rühmen kann."
Eine interessante „Novität" der Saison war das Kyrie aus Bach'S Messeiu ll-molt. Dieses stückweise Vorführcn eines so monumental schönen Werkes-— Hcrbeck hatte 1867 andere Thcilc der Messe anfgeführt — hatte, wie dasZögern mit der „Nennten", seine guten Gründe. Wir wissen, daß Vach inder vor-Herbcck'schcn Periode des Wiener Conccrtlebens nur sehr oberflächlichcnltivirt wurde. Herbeck, der sein Publicum so gut wie nicht leicht ein zweiterMusikdirigcnt kannte, nahm an, daß, wenn er dasselbe unvorbereitet mit der ganzenBach'schen Miesse überfallen würde, er damit, wenn auch nicht auf Opposition,so doch ans Theiluahmslosigkeit stoßen möchte. Damit war ihm aber nichtgedient, denn er wollte Verständnis; für die Sache beim Publicum erwecken,welcher er diente. Nun kam es bei der Alleinanfführung des Kyrie vor, daßdie Zuhörerschaft im Anfänge kalt blieb, -) um wie viel mehr mußte sich dieAeußernng einer gleichgiltigen Stimmung bemerkbar machen, wenn das Befremdendes Pnblicnmö bei der großen Länge und zunehmenden Schwierigkeit des Werkessich steigerte?
Als der Frühling mit seiner Blttthenpracht schon längst in's Landgezogen war, arbeitete Herbeck noch rastlos an den Vorbereitungen für denAbschluß der Saison, welche» diesmal ein Concert dcS Singvereines zurFeier seines zehnjährigen Bestehens (5. Mai) bilden sollte. Ans welche HöheHerbeck die Leistungen dieser Körperschaft gebracht hatte, braucht nicht erstwiederholt zu werde». Was aber dabei augenscheinlich überrascht, ist, daß eineVereinigung, die zum allergrößten Theile ans Dilettanten bestand, so Großes,so Vollendetes zu vollbringe» im Stande war. Aber vielleicht gerade deshalb.Wenn cs möglich Ware, einen solch' großen Verein ans Gesangskttnstlernznsammenznstellen, seine Leistungen würden sicherlich hinter jene» der Dilettantenznrückstehe». Das läßt sich leicht erklären. Der Künstler vom Fach könnte nämlichauch in einer solchen Vereinigung das Bestreben, als Individuum Hervorragendeszu leisten, nicht unterdrücken: er würde Solo singen im Chor. Nun kann mansich die Wirkung eines Chores von etwa 200 Solosängern leicht vorstellen. Eswäre dieses Product cinem Gebäude zu vergleichen, an dessen Wänden stattder einfachen Maurer nur künstlerisch gebildete Architekten mitgcwirkt haben.Die Dilettanten jedoch, die als Individuen nichts gelten wollen und sich stetsnur als einen kleinen Theil der Ganzheit betrachten, singen, wie ein Chorvereinsingen soll: mit der snmmirten Kraft und Mächtigkeit, dem vereinigten Glanzemehrerer hundert Menschenstimmcn, aber mit dein Nythmns und der Feinheitder Nuaneirung eines einzigen großen Künstlers. Wohl barg der Verein inseiner Mitte einzelne ausgezeichnete Solokräfte -— abgesehen von den DamenWilt und Bischofs, die zn Künstlerinnen ersten Ranges sich herangebildet
') Nene Freie Presse dir. 1281 I. 1868.y Freuidcnblatt Nr. 99 I. 1868.