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Gesammtvorstellung in Elemente zerlegen, deren jedem ein be-stimmtes, allgemein verständliches Wort entspricht. Diese einzelnenWorte werden in dem B die entsprechenden einzelnen Vorstellungenerwecken, und indem nun dieser die einzelnen Vorstellungen selbst-thätig zu einer Gesammtvorstellung vereinigt, wird er seinerseitseine einheitliche und anschauliche Gesammtvorstellung gewinnen,die derjenigen des A in allen wesentlichen Punkten vollinhaltlichentspricht. Diese einzelnen Worte aber müssen nothwendig zeitlichaufeinander folgen. Sie mögen in unserem Falle etwa lauten: C istbegegnet, auf dem Hauptplatz, dem D. Das Wesen dieser Vorgängebesteht also darin: der Sprecher zerlegt eine Gesammtvorstellung,die wir mit Rücksicht auf ihre Zerlegbarkeit auch eine zusammen-gesetzte nennen können, in eine zeitlich ablaufende Reihe vonEinzel Vorstellungen, deren jede durch ein Wort äusserlich vertretenwird, und so entsteht eine Kette von Worten., ein Satz; im Hörerruft jedes dieser Worte eine entsprechende Einzelvorstellung hervor,er combiniert diese aufeinanderfolgenden Einzelvorstellungen zu einergleichzeitigen Gesammtvorstellung, welche der des Sprechers wesent-lich congruent ist. So können wir auch hier einen doppelten Processbeobachten: einen analytischen im Sprecher — das Mittheilen —,und einen synthetischen im Hörer — das Verstehen.
2. Verweilen wir einen Augenblick bei diesem Ergebnis. Ver-stehen, so sagten wir, ist ein synthetischer Process im Hörer; esist die Umwandlung eines Wort-Nacheinanders in ein Vorstellungs-Nebeneinander; es heißt, die aufeinanderfolgenden Theile einerRede in nebeneinander bestehende Theile einer einheitlichen Vor-stellung umsetzen. Dass dies überhaupt möglich ist, müssen wirwohl als eine letzte Thatsache, als ein psychologisches Grundgesetzansehen. Seine Eigenart und Bedeutsamkeit wollen wir hier inKürze erläutern.
Zunächst ist diese Thätigkeit eine höhere, geistige Function,es ist — mit der entsprechenden zerlegenden Thätigkeit — diewahre und eigentliche Urtheilsfunction. So wie wir im müdenund abgespannten Zustande Worte hören können, ohne sie aufzufassen,d. h. so wie Worte an uns stumpf abprallen können, ohne uns zurBildung der entsprechenden Vorstellung anzuregen, so können wirauch in ähnlichen Zuständen geringeren Grades Sätze hören unddie einzelnen Worte auffassen, ohne den Sinn des Satzes zu ver-stehen, d. h. ohne aus den einzelnen Theilvorstellungen eine neueGesammtvorstellung zu bilden. Was heißt es denn anders, wenn