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Der Grosse Kurfürst und Moritz von Nassau, der Brasilianer : Studien zur brandenburgischen und holländischen Kunstgeschichte
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Im Saal zu Cliarlottenburg.

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Charlotttenburg, am westlichen Ende des vorderen Hauptwegesneben derjenigen des ersten Königs von Preussen stand. Ebenmit diesem Bildwerke wollen wir uns in den folgenden Zeilenausführlicher beschäftigen.

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.1'as war draussen im Charlottenburger Park, auf dem Wegenach dem Mausoleum, an heiteren Sommertagen ein hastigesKommen und Fragen, dass man meinte, Alles wolle zu dem schönenjugendlich geschmeidigen Fürsten eilen, der sich auf hohem gla ttenPostamente in voller Körperhaftigkeit, greifbar natürlich — wieman zu sagen pflegt — erhob. So mancher Unkundige mochtedie etwas überlebensgrosse Marmorfigur, die glücklicherweise nurgeringe Spuren der Verwitterung zeigte, für Kleists träumerischenPrinzen von Homburg gehalten haben.

Wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, dass derniederländische Schöpfer dieser Statue etwas Anderes als nurdie ungeschminkte Wahrheit geben wollte. Also dürfen wir dieBeschreibungen, welche uns die Biographen von Friedrich Wil-helms Statur und Aeusserem liefern, nach diesem Bildwerk modi-ficiren. L. von Orlichs bemerkt, dass der Kurfürst mittelgrossgewesen sei, dunkelblaue Augen, eine Adlernase und bis circa1660 einen Knebelbart gehabt habe. Von letzterem ist an dervorliegenden Figur nichts zu merken. Auch will es uns, nach derenKörperverhätnissen und dem fast zierlichen Kopfe zu urtheilen,nicht gelingen, an eine nur mittelgrosse Statur zu denken*).

Schon vor einiger Zeit gab ich eine Beschreibung**) derwerthvollen niederländischen Leistung; es bleibt mir daher nichtsweiter übrig, als im Wesentlichen bereits Gesagtes zu wiederholen.Das Haupt der Figur wirkt seltsam anziehend durch die feinenLinien, das edle Profil und die geistige Schönheit des Ausdrucks.Die Nase ist wenig gebogen, das inmitten gescheitelte Haarfällt, das Antlitz kräftig umrahmend, in langen, leicht gewelltenSträhnen bis auf die Schultern herab. Betrachten wir dieses

*) Die bekannte ältere Medaille, welche Friedrich Wilhelm an der Seite seines VatersGeorg Wilhelm darstellt, zeigt uns in dem Kurprinzen schon einen schlanken, hochaufge-schossenen jungen Mann.

**) Vgl. Zeitschrift für Bildende Kunst. Neue Folge. II (1890), S. 24 ff.