Druckschrift 
Der Grosse Kurfürst und Moritz von Nassau, der Brasilianer : Studien zur brandenburgischen und holländischen Kunstgeschichte
Seite
32
Einzelbild herunterladen
 

32

II. Aus einer vergessenen Residenz des Gr. Kurfürsten.

Zeichen, der Schwan auf der Thurmspitze der mittelalterlichenBurg, verkündigt gleichsam die allbekannte alte Sage.

Auf einem grünumkränzten Hügel des Ortes ragen diekahlen hohen Mauern der Schwanenburg weit über die Um-gebung hinaus. Yon den ursprünglich drei Thürmen dieses ehr-würdigen Besidenzschlosses der Grafen und Herzoge von Cleveist nur noch der höchste, der viereckige wuchtige Schwanen-thurm, erhalten. Herzog Adolf I. hat dessen Bau im Jahre 1439beginnen lassen und ihn zugleich der Erinnerung an den Ge-mahl seiner Vorfahrin Beatrix von Cleve geweiht, die an derSeite jenes Helias Gral 21 Jahre lang zum Segen des Landes regierthaben soll. Die für ihre weibliche Neugier so hart bestrafteBeatrix soll aber, wie eine allerdings spätere Sage berichtet,auch im Grabe keine Buhe gefunden haben. Sie ging nachihrem Tode als „weisse Frau“ im Schlosse um, verkündetedurch ihr Erscheinen bevorstehendes Unglück, und noch in denJahren 1815 und 1816 gaben, wie uns der damalige Kammer-präsident v. Buggenhagen versichert, verschiedene Personenamtlich zu Protokoll, dass sie die „weisse Frau“ im Schlossewandelnd gesehen hätten. Aber auch ohne derartige Merk-würdigkeiten, ohne diese Nachklänge mittelalterlicher Phantasiebesitzt das Städtchen noch Anziehungskraft genug. Denn esfinden sich hier, ausser der Schwanenburg, noch einige anderebemerkenswerthe Baudenkmäler der Vergangenheit, z. B. diekatholische Stiftskirche, ein dreischiffiges Backsteingebäude miteiner Doppelthurmanlage aus dem 14. Jahrhundert. Dieses reich-begüterte Gotteshaus umfasst in den Chören der Seitenschiffedie Grabstätten mehrerer alter Herrscher des clevischen Landes.Und von einem anderen Gotteshaus in der Unterstadt, der ehe-maligen Minoritenkirche, will ich bloss erwähnen, dass derenfrüherer Hochaltar, eine Anbetung der heiligen drei Könige, vondem begabten Bubensschüler Erasmus Quellinus im Jahre 1656gemalt worden war . . .

Mehr noch als die Stadt lockte aber, seit etwa der Mittedes vorigen Jahrhunderts, die wundervolle Umgebung des gleich-namigen Badeortes mit seinen Eisenquellen im Sommer er-holungsbedürftige Leute herbei. Um diese Bheingegend lobenzu hören, muss man freilich zu unseren benachbarten Freunden,den ■ Holländern, gehen, die hier das Hauptkontingent der jähr-lichen Badegäste stellen. Für sie liegt der Ort ausserordentlich