Druckschrift 
Die Tlinkit-Indianer : Ergebnisse einer Reise nach der Nordwestküste von Amerika und der Beringstraße ausgeführt im Auftrage der Bremer Geografischen Gesellschaft in den Jahren 1880-1881 durch die Doctoren Arthur und Aurel Krause
Entstehung
Seite
292
Einzelbild herunterladen
 

292

11. Kapitel.

gewöhnlichen Todes verstorbenen Tlinkit. Ihr Wohnsitz, der imfernen Norden liegt, heißt „Takankn".

Die „bsüiMr'" oder Wassergeister erscheinen in der Gestaltvon Seetieren und sollen nach einigen auch die Geister dieserTiere selbst sein.

Jeder Tlinkit hat auch seinen eigenen Schutzgeist, den „trrüinnjäir'" (tu — sein, üirm — oben, Mr' — Geist); aber einenschlechten und unreinen Menschen verläßt sein Geist oder tötetihn auch wohl.

Alle Geister lieben Sauberkeit und den Ton der Trommelnund Klappern. Deswegen muß ein Schamane, der die Geisterherbeirufen will, drei bis zwölf Monate lang Enthaltsamkeitüben, und die Hütte, in welcher die Beschwörung vor sich gehensoll, muß sorgfältig gereinigt und Gesänge und Tänze genaunach dem Takt der Trommeln ausgeführt werden').

Die Schamanen behaupten, daß sic bei ihren Produktioneneine Anzahl verschiedener Geister aus verschiedenen Klassen undmit verschiedenen Gesichtern sehen, die aber nicht auf einmal, son-dern einer nach dem andern, ohne bestimmte Reihenfolge, er-scheinen. Der Schamane legt stets die Maske desjenigen Geistesan, welchen er vor sich sieht, auch wechselt er seinen Schmuck jenach der Tracht dieses Geistes.

Außer bei den großen Schamanenfesten übt der Schamaneseine Kunst auch bei verschiedenen anderen Gelegenheiten aus, beiwelchen keine oder nur geringe Bewirtung stattfindet. Nament-lich besteht seine Aufgabe auch darin, Hexen zu entdecken, d. h. solchePersonen, welche andere Menschen durch Zauberei zu verderbensuchen und als die Urheber vieler Krankheiten gelten.

Die Hexen, männliche und weibliche, werden „nnüntsati" ?)genannt, und sollen ihre Künste von Jölch gelernt haben, der siedieselben lehrte, als er auf der Erde weilte. Wenn sie jemandenzu verderben trachten, so suchen sie irgend etwas von ihm zu er-langen, sei es seinen Speichel, oder sein Haar oder etwas vonseiner Speise oder den Schmutz von seinem Körper, den dieTlinkit oft abkratzen statt abzuwaschen. Damit begeben sie sich

Holmberg 63 bis 64. Wemaminow 56 bis 57.

2 ) Bei Wemaminow näürmnti, von dem Worte nAcu, Arznei, Medizin.