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5. Kapitel.
leistet, für jede Gabe, die er gewährt, erwartet er Entschädigung.Welcher mußte sich in der Jakntat-Bai die Erlaubnis, Holz zuHallen und Wasser zu holen, erst durch Geschenke erkaufen r).
Wenn ein Tlinkit Geschenke giebt, erwartet er stets Ent-schädigung in irgend einer Weise. Deshalb ist er auch miß-trauisch, wenn er selber Geschenke empfängt. Entweder glaubter ein Recht darauf zu haben, oder er sieht darin die Absichtdes Gebers, etwas von ihn: zu erlangen. So sagt Welcher vonden Jakutats, daß sie Geschenke als eine Schuld, nicht alsGabe empfingen, und an dem Grundsatz „nichts für nichts" fest-hielten 2).
Wenn dagegen ein Tlinkit von einem anderen etwas fordert,in der Absicht, es wieder zu erstatten oder zu ersetzen, so darfihm seine Forderung nicht abgeschlagen werden. — Es. ist aberGebrauch alsdann, daß er mehr zurückgiebt, als er erhalten hat.— „üärsoii" wird diese Sitte genannt. — Unter dieser Vor-aussetzung nachträglicher Belohnung kann auch eine Arbeitsleistungvon einem Tlinkit verlangt werden. — So wurden wir an einemWintermorgen beim ersten Tagesgrauen durch die laute Stimmedes Schamanen geweckt, welcher, von Haus zu Haus gehend, seineFreunde vom Bärenstamm feierlichst aufforderte, ihm bei derErbauung eines neuen Hauses behülflich zu sein. — Dieser Auf-ruf war nicht vergeblich, und während des Winters wurden vonden Freunden die Pfosten und Bohlen zugerichtct und über denSchnee nach dem Bauplatz geschafft. Im Sommer begann manmit dem Ausbau des Hauses; aber noch vor Beendigung desselbenmußte der Bauherr sich seiner Verpflichtungen durch die Feier
') Welcher t, 84. — Wie sehr die Tlinkit gewohnt sind, fiir jeden kleinenDienst eine Entschädigung zn verlangen, zeigte uns das folgende Erlebnis. Alswir einst von einer Canoefahrt zur Ebbezeit znrückkehrten, war uns ein In-dianer, der müßig am Strande gestanden hatte, ans unsere Ansfvrdernng hinbeim Heraufziehen des Bootes behülflich. Da es schon spät am Abend war,vergaßen wir, ihn für die unbedeutende Arbeit zn belohnen. Am anderenMorgen fanden wir das Ledcrgeflecht unserer Schneeschuhe mit einem Messerdurchschnitten, und man war darüber einig, daß eben jener Indianer die Thatverübt hatte, weil ihm die erwartete Belohnung entgangen war. Ich bemerkenoch, daß er eine Forderung gar nicht gestellt hatte, und wir im übrigen mitder Austeilung von kleinen Geschenken nicht karg gewesen waren.
2) Welcher I, 84.