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3. Kapitel.
Die Einteilung der Tlinkit in Geschlechter ist gänzlich un-abhängig von der räumlichen Verteilung der Stämme. DasselbeGeschlecht finden wir an verschiedenen Orten, so den Kagontänbei den Sitkas, den Jakutats, den Hunas und den Tschilkats. Daseigentümliche Verhältnis, daß jeder Ort von mehreren Geschlechternbewohnt wird und zwar sowohl von denen des Bären- wie vondenen des Wolfsstammes, während andererseits ein Geschlechtauf mehrere Orte verteilt ist, erklärt sich, wie wir später sehenwerden, durch den Brauch der wechselseitigen Ehen und durchdas Gesetz der mütterlichen Erbfolge.
Die verschiedenen Geschlechter genießen nicht dasselbe An-sehen; der Kagontan hat wegen der großen Anzahl und wegendes Reichtums seiner Mitglieder den Vorzug vor allen übrigen.
Innerhalb eines Geschlechts nehmen wieder einzelne Familieneinen höheren Rang ein; sie bilden eine Art Adel, der seineVorrechte jedoch weniger der Geburt als dem Besitze eines großenerblichen Vermögens verdankt. — Auch die Häuptlingswürde istan den großen Reichtum, der namentlich in dem Besitze vonzahlreichen Sklaven besteht, gebunden. In der Regel geht die-selbe zugleich mit dem Vermögen vom Onkel znm Neffen über,gemäß der gültigen Erbfolge, doch geschieht es bisweilen, daßan Stelle des Erben ein anderer als Häuptling anerkannt wird.— Fast in jedem Orte giebt es mehrere Häuptlinge, ninüün ge-nannt, von denen jedoch einer gewöhnlich als der höchste gilt.Die Macht eines Häuptlings ist eine sehr beschränkte und je nachder Persönlichkeit desselben eine sehr verschiedene. Nur bei ge-meinsamen Unternehmungen und Berathungen ist er der Führerund Leiter; im übrigen hat jedes Familienoberhaupt vollständigeFreiheit, alles zu thun, was nicht gegen Sitte und Herkommenverstößt oder die Rechte anderer schädigt.
Auch der sogenannte Adel besitzt kein anderes Vorrecht, alsdas des größeren Ansehens unter seinen Stammgenossen. Beiden Festen überläßt man ihm die Ehrenplätze, und die reichstenGeschenke werden ihm zu teil. Für den Tod oder die Verletzungeines vornehmen Mannes wird stets größere Sühne verlangt alsfür die Schädigung eines Geringeren; zwei und mehr Leben for-dert man für das eines Häuptlings.