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Hartmann von Aue als Lyriker : eine literarhistorische Untersuchung
Entstehung
Seite
106
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Der gegensatz, der die minnepoesic durchzog, ist nunausgeglichen, und wie Hartmann sich darüber freut, zeigt dereifer, mit dem er sich dem neuen hingiebt.

Mich heil die merll also gement,daz mir der muotsich zeiner mäze nach ir sent. ..dies urteil fällt er über die erste periode seines lebens und dichtens.

Den hühepunkt seiner religiösen lyrik bildet das ab-schiedslied aus dem friihling 1189, welches in maszvollsterweise religiöse empfindung und reflexion, gedankeninhalt undfeines Wortspiel, glatte ausdrucksweise und vollkommene formin sich enthält, es vereinigt alle eigentümlichkeiten desHartmannischen talents und setzt sie in wohltuender weise ineinklang. es ist das letzte lyrische produkt des dichters. erbeschlieszt diese zweite periode seines Schaffens, wieder gleich-sam das resultat seiner gesamten bisherigen entwicklung zu-sammenfassend, mit den höchst bedeutsamen Worten:lr ringent umbe lieg), daz iumer niht enwil:man müget ir armen minnen solche minne als ich?

Mehr als ein jalir muszte infolge der teilnahme am kreuz-zug llartmanns dichterische tätigkeit ruhen, nach seiner riiek-kehr tritt die frage nach einem für sein talent geeignetenstoff wieder an ihn heran, auch das kreuzlied hatte natürlichdas interesse mehr und mehr verloren: es blieb nur das epos.hier war eben Veldekes Eneide in den ritterlichen kreisen be-kannt geworden, ein roman, der aus den anschauungen undbestrebuugen der ritter heraus entstanden, sie auch am bestenzum ausdruck brachte. Hartmann lindet bei seiner rückkehrdie Eneide in aller bänden: kein wunder, dasz sie ihn zurnaelieiferung reizt, hiermit trifft er das für ihn glücklichste gebietder objektiven, ruhigen erzählung, dem er nun auch treu bleibt.

Ueberschaut man die reihe seiner epischen erzählungeu:Erec, Iwein, Gregorius, armer Heinrich, so wird man sich ver-sucht fühlen in ihr eine parallele zu der reihe der lyrischenwerke zu sehen, in beiden teilen seiner poetischen entwicklungeine weltliche und geistliche periode zu unterscheiden, imErec und Iwein Verherrlichung des ritterlichen lebens. derweltlichen fremle, im Gregor und armen Heinrich ein hervor-kehren des religiösen elements: so in der lyrik minnepoesie