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durchaus von der leidenschaftslosen, ruhigen und schmuck-losen ausdrucksweise Hartmanns abweicht, ganz abgesehendavon, dasz dieser nach dem arm. Heinr., hinter welchen dasS. G. ja fallen miiszte, kein solches liebesgediclit mehrschreibenkonnte ')• es braucht nicht genauer auf vorhandene Wider-sprüche mit Ilartmanns anschauungen hingewiesen zu werden(zb. S. G. 1844: II. Kl. 1448): eine unbefangene lektiire des ge-dichtes ergiebt das alles von selbst, diese beweist auch, daszdas werk nichts weiter als ein liebesbrief oder büchleinist, den ein schon lange minnender ritter au seine spröde damesendet, und dies erklärt zugleich die mischung lyrischer undepischer form in demselben 2 ).
Man wird nun die frage aufzuwerfen haben: wem ist dasS. G. als eigentum zuzuschreiben? der lebhafte ausdruck unddie kunstvolle form lassen auf ein bedeutendes talent schlie-szen. das werk hebt sich entschieden durch seine Originalitätaus dem gesamten minnesang heraus, sein ganzer Charakterspricht ferner dafür, dasz der dichter desselben als minne-sänger mindestens nach der formalen seite hin bedeutendesgeleistet hat; unter den epikern wird man ihn nicht zu suchenhaben, man wird also beim nachforschen hier auf erfolgrechnen dürfen.
Dasz der dichter des S. G. nicht einer des XII. jahrh. war,ist wohl ohne weiteres ersichtlich, alles, auch das einzelne,Wortschatz und Wendungen, gedanken und form, weist auf eineviel spätere zeit und zwar unverkennbar in einen kreis vondichtem, welche sich unmittelbar an Xlthart anschlieszen 3 ).hier sind es die drei: Burkard von Hohenfels, besonders aberUlrich von Wintersteten und Gotfried von Nifen, in deren ge-dickten fast sämtliches irgend wie charakteristische des S. G.nachweisbar ist. es ist ganz auffallend, wie diese drei minne-singer mit dem gedankenkreis des gedicktes zusammenstimmen,deutliche anklänge finden sich ferner an ein Pseudo-Nitkartischesgedieht ,daz strfxzenhorn‘ und den unter ,Niune‘ überliefertenleich, dichtungen, die auch der zeit jener drei Sänger (zweitesviertel des XIII. jahrh.) angehören dürften, es tritt hier wieder
’) vgl. o. s. 57. 2 ) vgl. P. Meyer, salut d’amour s. 39 no. VI (stro-
phisch und jede Strophe zweireimig). 3 ) Goedeke I, § 52.