Druckschrift 
4 (1834)
Entstehung
Seite
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der Wange eines sterbenden Mädchens zu beob-achten.

Was will in der unermeslichen Summe mensch-lichen Daseins «ine einzige Zakl besagen? JederRasen den wir treten ist das Grab eines frühernWesens; gleichwol sänftigt es das Herz, ohne cs zuentnerven, wenn wir im Leben eines Andern Em-pfindungen verfolgen, die wir alle einst selbst erfahrenhaben. Denn Wer hätte nicht ans seiner eigenenBahn durchs Leben einmal all das gewöhnliche Ge-schäft desselben angebalten und gefühlt wie die Manig-faltigkeit der Begegnisse sich gegen ein einziges Tage-buch zärtlicher Regungen umtauschte? Wer hat nichtdas Hinwandeln eines Trittes, ihm zu jener Zeit theu-rer als die ganze Welt, zum einzigen Augenmerkge-macht? Und diese einzige Zahl, so unbedeutendnach der Berechnung anderer Menschen, von welchnnschäzbarcm Werth war sie für ihn selbst? Wennwir dergleichen von der Zeit überschattete und hinab-gedrüktc Erinnerungen in einem Andern wahrneh-men , fühlen wir die wunderbare Heiligkeit deSmenschlichen Daseins; wir fühlen welche Empfindun-gen ein einziges Wesen hervorzubringen vermag;welch eine Welt von Hoffnungen in einem einzigenGrab eingescharrt werden kann. Und so halten wirdie sanften Quellen jener Humanitär in uns lebendig,welche uns mit unserer Gattung verbindet undüber die rauhen Bilder und unruhigen Kämpfe derErde die Färbung einer gemeinsamen Liebe wirst.