Druckschrift 
4 (1834)
Entstehung
Seite
32
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SL

ging mit hastige» Schritten auf und ab. Tiefer,unauslöschlicher Grimm über des Bruders Nieder-trächtigkeit gesellte sich einer glühenden, süßenHoffnung bei. Er gestand sich, daß er sich getäuscht,als er glaubte seine Leidenschaft sei vorüber; gabcs jezt noch eine Schranke gegen seine Verbindungmit Hildegard?

In dem Zartsinn womit ihn seine Liebe durch-hauchte, hatte er vermieden Trost für sie zu suchenoder ihr die Schmach anznthun, sie trösten zu wol-len. Er fühlte daß der Schlag allein getragenwerden müsse, und doch schmachtete, dürstete er da-nach, sich zu ihren Füßen zu werfen.

Aus diesen streitenden Gedanken ward er buchein Pochen an die Thür anfgewekt; er öffneteder Flur war von Hildegards bleichen, angsterfüllten,weinenden Zofen vollgedrängt. Sie hatte die Burg,blos von einer Dienerin begleitet, verlassen; Nie-mand wüste wohin. Nur zu bald jedoch gelangteman hierüber zur Kunde. Von Schloß Sternbergwar sie in der dunkeln, rauhen Nacht nach dem Thalgegangen, wo das Kloster Bvrnhofen Denen, diemüden Geistes und gebrochenen Herzens waren, eineZuflucht vor d'M Altar Gottes bot.

Mit Anbruch des Morgens stand Walter vordem Klosterthor. Er sah Hildegard; welche Ver-änderung hatte Eine Schmerzensnacht in dem Ge«sirdaes cht hervorgufen, für ihn der Quell allerLieblichkeit war! Er faste sie in die Ärmerer rveintel