tern den Bewohnern zu Ohr; allein diese Gerüchtebegleitete keine Knude von Otto; von ihm ver-nahm man nichts, und so ward die Liebe der zartenWaise durch die ewige Unruhe der Angst stets leben-dig erhalten. Endlich starb der alte Ritter undHildegard blieb ganz allein.
Als sie eines Abends mit ihren Zofen in derHalle saß, hörten sie Hufschlag im äussern Hof;ein Horn tonte; die gewichtigen Thore thaten sichauf, und ein Ritter von stattlicher Gestalt, mitdem rothcn Mantel des Kreuzes bcdekt, trat in dasGemach. Er hielt einen Augenblik am Eingang, wieüberwältigt von seinen Gefühlen; im nächste» Mo-ment hatte er Hildegard an seine Brust geschlossen.
„Kennst Du Deinen Vetter Walter nicht mehr?"Er nahm den Helm ab und sie sah die hohcitvolleStirn die, ungleich der Stirn Otto's, ihr gegen-über sich nie geändert oder umwölkt hatte.
„Der Krieg ist für die nächste Zukunft aufge-hoben. Ich habe des Vaters Tod erfahren und b-inheimgekchrt, meine Banner in der Halle aufzuhän-gen und meine Tage in Frieden zn verleben.«
Zeit und Krieg hatten Walters Zügen ihreVeränderungen aufgedrükt; das volle, dunkler ge-wordene Haar war an den Schläfen abgetragen undzeigte eine Narbe, die jedoch eher zur Schönheiteines Gesichts beitrug, das in seinem Ausdrnk stetsetwa Hohes, Heldenhaftes gehabt. Aber die Ruhedie einst auf demselben gestanden, hatte sich zur