bei meiner Seele und meiner Hoffnung auf Selig-keit, Einer von uns muß fallen!"
„Armer Knabe," erwiederie Walter bitter, „wiewenig verstehst Du ein Herz das wahrhaft liebt.Glaubst Du daß ich sie mein nenuen möchte, wennsie Dich liebt? Glaubst Du daß ich mein Glük er-kaufen wollte, wenn es ihr auch nur eine MinuteSchmerz kostete? Weg mit solchem Gedanken— hinweg!"
„Du willst also nicht den Vater aufsuchen."
„Den Vater? — hat der Vater HildegardsNeigung zu vergeben?" ecwiedcrte Walter, unddie Hand des Bruders wcgstoßend ging er deinSchloß zu.
Beim Eintritt in die Halle durchzitterte ihnHildegards Stimme, die dem alten Ritter einejener einfachen Balladen sang, wie sie Jäger undKrieger lieben. Er stand still um den Zauber nichtzu stören, der ihm mächtiger dänchte, als der Zauberdes Magiers. Doch wie er ihre schöne Gestaltins Ang faste, entsank ihm der Muth. Heuteim Garten hatte er wie fein Bruder dem Fräuleineine Blume gegeben: die scinige war die schönereund seltenere, aber er erblikte sie jezt nicht, währenddiejenige Ottos an ihrem Herzen blühte.
Das Lied war zu Ende und der Ritter, einge-lnllt von den TöNen und von der Jagd ermüdet,sank in Schlummer. Walter trat näher und winkteHildegard ihm zu folgen. Er schlug einen abge-