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Dieses Schweigen machte Otto bestürzt. Ge-wohnt jeder Empfindung Worte zu geben, konnteer die Mäßigung Walters nicht begreifen; kanntejedoch dessen edten und tapfern Sinn zu wvl, umdieselbe der Furcht zuzuschreibcn. Mochte sic nicht viel-mehr Verachtung sei» ? oder wollte Walter etwa so-gleich den Vater anssuchen, dem Bruder mit einer Er-klärung seiner Liebe für die Waise zuoorkommen, undzugleich sein Vorrecht als Aeltcster geltend machen?Von solchem Verdacht dnrchznkt, eilte der ungestümeOtto dem- Bruder nach, und rief, die Hand ans seineSchulter legend, hastig: „Wohin gehst Du; willigstDu ein mir Hildegards Hand abzutreten?"
„Liebt sie Dich, Otto?" erwiedcrte Walternach langem Stillschweigen, und seine Stimme be-kundete eine so tiefe Angst, daß selbst OtroS aufge-regte Leidenschaft dadurch entwaffnet wurde.
„Du bist es jezt, der schweigt," fuhr Walterfort; „sprich: liebt sie Dich und hat cs ihre Lippebekant?"
„Ich glaubte, daß sie mich liebe," stammelte Otto,„aber ihr Benehmen ist jungfräulich und ihr Mundhat cs mir allerdings nie gestanden."
„Genug," sagte Walter, „laß mich los."
„Halt!" rief Otto, dessen Argwohn wieder er-wachte, „halt! — nur noch ein Wort: suchst Duden Vater? Er ehrte Dich immer mehr als mich;willst Du ihm Deine Liebe gestehen und Dein Rechtals Erstgeborner geltend machen? Versuch'» und