Druckschrift 
1 (1834)
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

tcr Ansdruk, daß cs siln^cnblike gab wo nickt nurein Blindcr sie für schön gehalten haben würde. Infrühester Kindheit hatte sie wirklich hübsch zn werdenversprochen, aber von den Poken, einer damals nochfurchtbaren Seuche, waren diese Keime nnerbitlichzerstört worden. Nicht nur die glatte Haut und dieglänzenden Farben wurden versengt, sondern auchder Karakter des Gesichts gänzlich abgcändert. Zu-fälliger Weise stand ihre Familie im Ruf der Schön-heit und that sich auf diesen Ruf etwas zu gut, undso bitterlich hatten ihre Eltern die Wirkungen dergrausamen Krankheit beklagt, daß sich das armeMädchen schon früh gewöhnte, dieselben weit hö-her anznschlagen, als sie es in der Lhat verdien-ten, und die Vorzüge der Reize zu übersckäzcn,deren Verlust ihren Eltern ein so schweres dlnglükdünkte. Zudem hatte Lucilie eine Verwandte Na-mens Julie, die ihrer körperlichen Vollkommenhei-ten wegen für das Wunder von ganz Mcckeln galt.Da beide Väschen viel zusammen kamen, sprach sichder Gegensaz zu schneidend ans, um nickt bei derErsten manches peinliche Gefühl zn veranlassen; aberjedes Unglük hat eine Art Gegengewicht: das Be-wustscin der änsserlichen Unzulänglichkeit hatte ihrGemüth mild gestimmt ohne ihr Bitterkeit zn geben,hatte einem Geist der unter andern Verhältnissenvielleicht zu hochfahrend geworden sein dürfte, Sanft-heit, einem.Herzen, das von Natur fest, leiden-schaftlich und energisch war, Demuth eingcbracht.