nach entstandenen Vakanz war cs Jenem gelungendie Wahl auf sich zu lenken. Der neue Pfründnerschien indeß von ganz andern: Schlag, als seineVorgänger. Zwar nahm er die Gaben an, die inregelmäßigen Zeitabschnitten ans einen grosenStein zwischen der Siedelei und dem Brunnen8 niedergelcgt wurden, aber er thciite unter dieI Schenker Almosen von weit höherem Werth aus,als Das was sie ihm darbrachten. Er ritt aufkeinem mit Iwerchsäkcn beladenen Esel in die Dör-fer, um die Einwohner auf fromme Art auszu-plündern; nie hörte ein Laudmann, der zu späterStunde arglos in seiner Nähe umherschlcn-derte, ein weltliches Lied aus seiner Wohnungschallen; mein Führer, der Mönch, klagte bitterüber seine Ungeselligkcit, und keine ärgerliche Ge-schichte von nymphcnartigen Trösterinnen undweiblichen Besuchen, die an der heiligen Stättewahrgenommcn worden, kam aus der doch so wol-gefüllten Plaudertasche des Bruders.
„Studirt er viel?" fragte ich mit dem In-teresse eines Gelehrten.
„Ich furcht' ihn auf diesen Punkt nicht,"I entgegnete der Mönch. „Ich hatte oft Gelegen-heit in seine Wohnung zu kommen und untersuchteAlles mit scharfem Blik — denn, Gott sei Dank,ich Hab ungewöhnlich Helle und merksame Augenim Kopf — aber ich fand kein Buch darin, aus-genommen ein Missale und ein lateinisches oder