Druckschrift 
6 (1834)
Entstehung
Seite
78
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Knie vor einem so verworfenen, aber talentvollenGünstling zu beugen, hatten ihn sich bereits alsdie Person ausersehen der man schmeicheln unddurch die man steigen müsse. Für meinen Theilsucht' ich ihn weder, noch vermied ich ihn; aberer war so höflich gegen mich als sein barsches We-sen ihm Dies immerhin erlaubte, und da cs nichtdas Ansehen hatte, als ob unsere Bahnen sich jekreuzen würden, so glaubte ich, wenn nicht aufseine Freundschaft doch auf seine Neutralität rech-nen zu dürfen. Ein Zufall gab den Ausschlag ge-gen mich.

Eines Tages erhielt ich einen namenlosenBrief, worin ich ersucht ward, mich zu einer be-stirnten Stunde in einem gewissen Haus in der

Straße-einzufindcn. Mir kam die Voraus-

sezung nicht unwahrscheinlich vor, daß die Zusam-menkunft auf meine besonder» Verhältnisse, seisnun hinsichtlich meiner Familienangelegenheitenoder hinsichtlich der Politik, Bezug haben dürfte,und so hatte ich nicht den entferntesten Gedanken anein galantes Abenteuer. Zur angedeuteten Stun-de erschien ich am angewiesenen Ort. Ich wardzweifelhaft, als mich ein Frauenzimmer in einkleines Gemach führte, auf dessen Tapeten die Lie-be des Mars und der Venus dargestcllt war.Nachdem ich hier etwa eine Viertelstunde langgewartet, segelte ein großes Weib mit fast mvhren-haften Gesichtszügcn herein. Ich verbeugte mich.