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halb freien Wesen ihrer einnehmenden Liebenswürdigkeitwar es, als ob die Natur sie hätte zum. Entzücke»Eines Herzens »nd zur Qual aller andern geschaffen.
Ohne gelehrt zu scpn, war doch Evelincns Geistgebildet und nicht ohne Kenntniffc. Vielleicht half ihrHerz ihren Verstand bilden; denn vermöge einer ArtAnschauung wußte sic alles Schöne »nd Erhabene zuerkennen und zu würdigen. Ihr unverdorbener, schuld-loser Geschmack hatte seine eigene Logik; kein Schulge-lehrtcr besaß einen rascheren und schärfer in die Wahr-heit cindringcndcn Blick — kein Kritiker entdeckte siche-rer das Hcuchherische »nd Unächte. Ein Buch, dasEvclinc bewunderte, mußte gewiß den Stempel desAdels oder der Anmuth, oder der Wahrheit an sichtragen.
Aber Evclinc hatte auch Fehler — die Fehler ihresAlters, oder vielmehr, sic hatte Neigungen, die sie zuVerirrungen führen konnten. Sic war von Natur sogroßmuthsvoll, daß schon der Gedanke, sich für einAnderes aufzuopfern, einen Reiz für sie hatte. Siehandelte immer nach gemüthlichcn Anregungen — diefreilich rein und gut waren — aber oft auch rasch undunklug. Sic gab sich, einmal für Etwas eingenommen,einer so empfindliche» und krankhaften Weichheit hin,daß schon ein kalter Blick von Jemand, den sie nurmäßig liebte, ihr ins Herz schnitt; und vermöge desMitgefühls, das im Gefolge der Empfindlichkeit zu scpnpflegt, war ihr, kein Schmerz empfindlicher, als der,Andern Schmerz zu machen. Daher konnte Vargrave