60
Hungen und Drohungen nur Liste» sepn, ihn zu bethören?Er empfand eine ungerechte Erbitterung gegen Viola, daßsie einen solchen Bundesgenossen gewonnen. Aber mitdieser Erbitterung war eine sehr natürliche Eifersucht ge-mischt. Zanvni bedrohte ihn mit seiner Rivalität. Za-noni, der, was auch sein Eharaktcr und seine Künste seynmochte», wenigstens alle äußeren Eigenschaften besaß,um zu blenden und zn herrschen. Verdrießlich über seineeigenen Zweifel stürzte er sich in die Gesellschaft der Be-kannten, die er in Neapel gemacht hatte — hauptsächlichKünstler, wie er selbst, Männer der Literatur und reicheHandelsleute, die schon mit dem Glanze der Edellente wett-eiferten, obgleich noch ausgeschlossen von ihren Vorrechten.Hier hörte er Viel von Zanvni, der schon auch für sie, wiefür die müssigcren Stände, ein Gegenstand der Neugierund der Muthmaßungcn geworden war.
Es war ihm als etwas Bemerkcnswerthcs ausge-fallen, daß Zanoni mit ihm englisch gesprochen hatte,und das mit einer so vollkommenen Herrschaft über dieSprache, daß er für einen geborenen Engländer hättegelten können. 'Andererseits drückte sich Zanoni mit glei-cher Leichtigkeit im Italienischen ans. Glyndvn erfuhr,daß es derselbe Fall sey mit Sprachen, welche von Frem-den seltener erlernt werden. Ein Maler ans Schweden,der mit ihm sich unterhalten, glaubte steif und fest, er seyein Schwede; und ein Kaufmann von Konstantinopel, dereinige seiner Maaren an Zanoni verkauft hatte, sprachseine kleberzeugung aus, daß Niemand als ein Türke,