Druckschrift 
2 (1842)
Entstehung
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schen das göttliche Vorrecht des freie» Wittens versagte;wir Alle können uns unfern eignen Weg vorzeichnen, undGott kan» machen, daß unsre Widersprüche selbst mit sei-nen ernste» und großen Zwecken znsammenstimmen. Ihrhabt die Wahl vor Euch» Ehrenhafte und großmüthigeLiebe kann selbst jetzt noch Euer Glück schaffen und Euchzur Rettung helfen; eine wahnsinnige, selbstische Leiden-schaft wird Euch nur ins Elend und znm Untergangführen."

»Ihr behauptet also, die Zukunft lesen ;n können?"

Ich habe Alles gesagt, was mir beliebt Euch mit-zutheilcn."

»Während Ihr so gegen mich de» Moralisten macht,Signor Zanoni," sagte Glyndon mit einem Lächeln,seyd Ihr denn selbst so gleichgültig gegen Jugend undSchönheit, daß Ihr gegen ihre Lockungen den Stoikerspielt?"

Wenn es nothwcndig wäre, daß das Thun mit derLehre ganz zusammenstimmte," sagte Zanoni mit einembittern Lächeln,so hätten Wenige das Recht, uns zuermahnen und zu warnen. Das Thun oder die Hand-lungsweise des Individuums beschreibt nur einen kleinenKreis außer ihm; das bleibende Gute oder Böse, das erfür Andere wirkt, liegt mehr in den Gesinnungen, die erverbreiten kann. Seine Thaten sind beschränkt und augen-blicklich; seine Gesinnungen können die Welt durchdrun-gen und Generationen begeistern bis zum Tage des Ge-richts. Alle unsre Tugenden, alle unsere Gesetze sind aus