empfänglich sind, Melodien nnd Noten oft, bei den all-täglichsten Geschäften des Lebens, wieder Vorkommen, siegleichsam verfolgen nnd quälen. Die Musik, einmal indie Seele ausgenommen, wird auch eine Art von Geistund stirbt nie. Sie wandelt verstört durch die Hallen undGänge des Gedächtnisses, und oft hört man sie wiederdeutlich und lebendig, wie damals, als sic zuerst mit ihrenSchwingungen durch die Lust zitterte. Diese Gespenstervon Tönen nun tauchten zu Zeiten ihrer Phantasie wiederauf; die fröhlichen, um jedem Grübchen ein Lächeln znentlocken; dis traurigen, um einen Schatten auf ihreStirne zn Werken, und zu machen, daß sic ihrer kindi-schen Fröhlichkeit vergaß, sich bei Seite setzte, und vorsich hin brütete.
Mit Recht daher konnte in einem bildlichen Sinnedies holde Geschöpf, so luftig in ihrer Bildung, so har-monisch in ihrer Schönheit, so fremdartig in ihrem Wesennnd ihren Gedanken — mit Recht konnte sie eine Tochter— weniger des Musikers, als — der Musik selbst genanntwerden — ein Wesen, dem, wie man leicht auf den Ge-danken kommen konnte, ein Geschick Vorbehalten war, dasweniger der Wirklichkeit angehören mochte als der Roman-tik, die, sehenden Augen und fühlenden Herzen er-kennbar, immer mit nnd neben dem wirklichen Leben,Strom an Strom dahingleitet, dem dunkeln Oceane zn.
Und daher erschien es nicht sonderbar, daß Violaselbst schon als Kind, nnd noch mehr als sie in den süßenErnst der jungfräulichen Jugend hinüberblühte, sich ein-