„Wäret Ihr auch verheirathet, Sarah?"
„Gott tröste Euch, — ja! und einen recht gutenGatten hatte ich —der arme Mann! Aber er ist todt seitvielen Jahren; und wenn Ihr mich nicht angenommenhättet, hätte ich müffen ins Arbeitshaus gehen."
„Todt ist er! — War Euch das Leben nachher nichtsehr schwer, Sarah?"
„Der Herr kräftigt die Herzen der Wittfrauen!" be-merkte Sarah mit hetligthuender Miene.
„Hattet Ihr Euern Bruder geheirathet, Sarah?"sagte Fanny, mit dem Zipfel ihrer Schürze spielend.
„Meinen Bruder!" rief die Alte entsetzt. „Et, Miß,so müßt Ihr nicht schwatzen! das ist ganz verrucht undheidnisch. — Man darf nicht seinen Bruder heirathen!"
„Nicht!" sagte Fanny zitternd und wurde sichtlich,selbst bei dieser Beleuchtung, blaß. „Nicht! — Wißt Ihrdas ganz gewiß?"
„Es ist ganz verrucht, auch nur davon zu sprechen,meine ltebe, junge Herrin; aber Ihr seyd wie ein unge-bvrnes Kind!"
Fanny schwieg einige Augenblicke. Endlich sagte sie,unbewußt daß sie laut redete: ' „Aber er ist ja eigentlichdoch nicht mein Bruder!"
„Oh Pfui, Miß! — Laßt Ihr Euer hübsches Köpf-chen dem schönen Gentleman nachlaufen! — Ihr alsoauch, o Ltebe, Ltebe! Ich sehe wir sind Alle gleich, wirarme, weibliche Kreaturen! — Ihr! Wer hätte darangedacht? Oh, Miß Fanny! Das Herz wird Euch nochBulwer'S Romane. XVM. 7