Druckschrift 
6 (1841)
Entstehung
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und Talente, ein gewisser namenloser Reiz, der sie um-gab, entzückten ihn mehr noch, als selbst ihre Schönheit;die Erinnerungen, die sich an das erste Mal, wo erstegesehen, knüpften, waren ebenfalls Dankbarkeit und Nei-gung erweckend, die Härte, womit ihre Eltern mit ihrsprachen, erweckte sein Mitleid, und wirkte nicht wenig aufein Gemüth, das ganz besonders empfänglich war für jeneGroßmuth, die sich auf die Seite der Schwachen und Miß-handelten neigt; die gewinnende Mischung von Milde undMunterleit, womit sie ihren mürrischen und höhnischenOheim pflegte, überzeugte ihn von ihren besseren unddauernderen Eigenschaften des Gemüths und eines ächtweiblichen Herzens. Und sogar so seltsam und wider-spruchsvoll sind unsre Gefühle eben der Gedanke, daßsie verwandt war mit einer ihm so verhaßten Familie,machte ihr Bild um so glänzender aus der sie umgebendenDunkelheit hervortreten. Denn war es nicht die Tochterseines Feindes, für welche dev Liebende von Verona ansden ersten Anblick in Liebe entbrannte! llnd ist nicht dasein Typus von uns Allen als gefiele sich die Liebe inWidersprüchen! Wie der Taucher, in Schillers herrlicherBallade, mitten in der grausigen Tiefe sich an das Koral-lenriff anklammert: so klammern wir doppelt dankbar unsan jeden schönen Gedanken, jedes süße Obdach, die uns inden Tiefen des Hasses und Kampfes zulächelu.

Aber vielleicht hätte sich Vaudemont nicht so plötz-lich und so gänzlich einer Leidenschaft hingcgeben, dieschon seinen starken Geist völlig zu beherrschen anfing,