Druckschrift 
6 (1841)
Entstehung
Seite
93
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Genau ein solcher Zeitpunkt war jetzt im Leben Vaude-monts eingctreten. Obgleich viele Jahre lang sein Ehrgeiz,sein Traum und sein Schwert seine Geliebte gewesen, hatteer doch, von Natur gemüthvoll und tiefer Empfindungenfähig, oft über sein einsames Loos geseufzt. Nach und nachstimmte sich die jünglinghaste Phantasie und Verehrung,womit er das Bild EugenienS umfaßt hielt, zu jenerweichen und zarten Schwermuth herab, die vielleicht, in-dem sie die Kraft der strengeren Gedanken schwächt, nnSgeneigt macht, eine neue Neigung eher in uns aufzuneh-men, als ihr zu widerstehen, und an der Grenze der süßenErinnerung schwebt zitternd die süße Hoffnung. Die Un-terbrechung seines Berufs, seiner Plane, seiner Kämpfe,seiner Laufbahn, ließ seine Leidenschaften unbeschäftigt.Baudemont war so, ohne daß er es wußte, zur Liebe wievorbereitet. Wie wir gesehen, richteten sich seine erstenund frühesten Gefühle ans Fanny. Aber er hatte so imAugenblick die Gefahr entdeckt, und er schreckte so imAugenblick davor zurück, diese Gedanken und Phantasien,ohne welche die Liebe aus Mangel an Nahrung stirbt, füreine Person zu nähren, der er einen solchen Schwachsinnbeimaß, wodurch ein solches Gefühl ganz den Charakterder schwachherzigsten Unbesonnenheit, oder einer dem Sa-krileginm sich annähernden Ehelosigkeit erhalten mußte, daß die Flügel des Gottes weggescheucht wurden in demAugenblick, wo ihr Schatten über seinem Geist schwebte.Und so war sein Herz, als Camilla vor ihm aufstieg, frei,ihr Bild in sich aufzunehinen. Jhre Anmuth, ihre Bildung