10
„Geliebtesprach er mit zärtlichem Vorwurf,„in so später Stunde noch auf bei Deiner Schwäche?Pfui! im muß Dich zu schelten lernen."
„Und wie," entgegnete die Eindringlingin, „wiekönnt' ich schlafen oder ruhen, während Du DeinLeben an diesen undankbaren Mühen verzehrst?"
„Durchweiche," unterbrach sie Jener mit schwa-chem Lächeln, „wir gleichwohl unser» dürftigen Un-terhalt gewinnen."
„Ja," erwiederte die Gattin des Schriftstellers(denn dies war sie) mit Thränen in den Augen,„ich weiß wohl d-aß jeder Bissen Brod, jeder TropfenWasser Deinem Herzblut abgerungcn wird und ich —ich bin die Ursache von all Dem; aber gewiß strengstDu Dich zu sehr, mehr als »öthig ist, an. DieserNachiqualm, diese ungesunde, fröstelnde Luft, worinschon der strenge Duft des kommenden Morgensschwimmt, taugen nicht für Gedanken, für Arbeiten,die schon an sich hinreichen Dein Gemüth zu verdor-ren, Deine Kraft zu erschöpfen. Komm zn Bett,mein einzig Geliebter, und zuvor noch steh auf unserKind, wie gesund cs schläft. Die ganze vorigeStunde Hab ich mich über cs hergebeugt und mirvorzustellen gesucht, ich wachte über Dich, denn schonhat es Dein Lächeln gelernt und behält cs sogar imSchlaf."
„Es hat Ursache zu lächeln!" sagte der Gattewehmüthig.