Druckschrift 
3 (1836)
Entstehung
Seite
123
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leztrre, und da der menschliche Verstand glüklicherin seinem Verkehr mit den Betauten und Sichtbarenals mit dem Unerfahrenen und Unsichtbaren ist, sowar die antike Bearbeitung der Moral die einzigeErlösung von der antiken Extravaganz in der Reli-gion. Die alten Religionen sind todt: die alteMoral lebt noch, macht bis ans den heutigen Tagden Hauptinhalt unserer eigenen sittlichen Grnnd-säzze aus und ist (verschmolzen mit dem Gesez desChristenthums) das unvergängliche Erbtheil, daswir auf unsere Nachkommen zn übertragen, aberauch von unsrer Seite zu vermehren haben.

So Hab' ich denn den verschiedenen Ursprungvon Religion und Moral kürzlich dargestellt undmich zu zeigen bemüht, wie die Philosophie, dasnatürliche Erzeugniß der erster», die leztere erleuch-tet und wie glüklich es für die Welt gewesen, daßdie Philosophie, ihre Spekulationen nicht blos aufdie Theologie beschränkend, auch die Moral als eineWissenschaft knltivirte.

Wie wäre es auch möglich in einem künstlichenZustand der Gesellschaft in der Religion alleinden ganzen Inbegriff der Moral zn finden? Reli-gion gründet sich auf Eine bestimte Zeit und SinLand; sie wird mit der Gesamtheit ihrer Vorschrif-ten auf eine andere Zeit und ein anderes Land über-tragen, wo im Verlauf der Jahre ausgedehnte, ver-wikkelte Verhältnisse entstanden sind, die zu um-fassen jene Vorschriften nicht mehr genügen. Eben