1S2
Diese beiden Hauptprincipien der gesellschaftli-chen Ordnung waren ursprünglich von einander ge-sondert, das Ergebnis gänzlich verschiedener Geistes-operationen. Einsam in einer Wüste würde derMensch gleichwol auf Religion gekommen sein, vonder Moral aber erhält er erst einen Begriff, wenner sich andern Menschen deigesellt. P
Indem jedoch die Menschen Gott zu gefallensuchen, indem sie die Gesezze, nach welchen er aufdie physische und geistige Natur einwirkt, zu begrei-fen streben, schreiten sie von der Anbetung, womitsie begonnen haben, bald zur Prüfung über. Diesder Ursprung der Philosophie! — Man blikke aufdie ältesten Stämme der Welt: Philosophie ist un-abänderlich das Ergebniß der Religion. Aus derTheokratie des Morgenlandes entsprangen die jüngernWissenschaften, und die Vernunft begann ihre vor-schreitende Laufbahn unter dem Gewölk und Dunkel,das um die mystischen Glaubensbekentnisse Egyptens,Persiens und Indiens her lag. Allein in Folge derForschungen über die Natur des Scböpfers und diedaraus hervorgehenden Pflichten des Menschen warddie Philosophie, wenn auch das Ergebniß derReligion, nothwendig die Wissenschaft derMoral. Bei Prüfung der erster» erhellte sie die
') Sin Blizstral kann im Gemüth den Tin» für ei«höheres Wesen Hervorrufen; aber der Menschmuß sich vor dem Menschen fürchten, ehe er dieNüzlichkeit der moralischen Beschränkung einsicht.