schön; allein die Schönheit an ihr überraschte weniger,als die Seltsamkeit ihres Charakters es that. Ihre Au-gen wiesen sich so dunkel. daß inan sie hätte als schwarzbezeichnen können; allein ihr Haar war non dem lichte-sten Kastanienbraun; ihre Gesichtsfarbe zeigte sich bis-weilen blaß, bisweilen aber als ein brennendes Fieber-roth. immer aber zart und durchsichtig; ihr Mund undihre Zähne waren über allen Ausdruck lieblich. ihreHändeund Füße bis zum Verwundern klein und als sic heran-wuchs — denn wir sind in dieser unserer Beschreibungden Jahren des Mädchens vvransgccilt — stand ihre Ge-stalt. der es an bedeutender Höhe fehlte, so harmonisch inihren Verhältnissen da. daß die Seele des Bildners sichbisweilen von den Forschungen des Astrologen abwendetc,und daß Volkman das Mädchen mit eben der Bewunde-rung betrachtete, die er, dem Gegenstände zum Trotze, denGüttinnenformen eines Phidias oder Canova gewidmethaben würde. Dann aber gesellte sich zu dieser Schön-heit eine solche endlose Manchfaltigkeit von Gcbcrdcn. dieoft so wild, immer aber in ihrer Nothwcndigkeit so an-muthig waren, daß das Auge sich nach jenerNnhe sehnte,die zu verlängerter Bewunderung erforderlich ist.
Redete man zu ihr, so antwortete sie oft gar nichtder Anrede gemäß, sondern schien ans eine in ihr selberlautgewordene Frage zu antworten; oft griff sie von der'einen Beschäftigung zu einer andern, ließ auch diese plötz-lich liegen, und saß dann stundenlang schweigend da. ImGesänge klang ihre Stimme köstlich melodisch; auch hatte