Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

82

schwankenden Verlangen, das seinem Weibe zugefügteUnrecht abzubüßen, den Widerwillen überwand, den er an-fänglich gegen den jnngcn Mann gehegt hatte. Dies Ver-langen fand baldige Befriedigung durch das zarte und ein-nehmende Wesen deö Fremden, durch dessen Aufmerksamkeitgegen die Verstorbene, der er einen sehr geschickten eng-ländischen Arzt, vielleicht den einzigen Praktikanten tuder gewiß sonst nicht unwissenden Stadt, geschickt hatte,und als beider Männer Bekanntschaft sich fortspann, durchdie lebhafte Thcilnahme des Jünglings an den Licblings-thcoricn des Astrologen.

Volkmans Mutter war eine Schottin gewesen, undhatte ihren Sohn die engländische Sprache — die einzigegelehrt, die außer der dänischen er mit Geläufigkeit re-dete. Dieser Umstand trug wesentlich zu Erleichterungseines Umganges mit dem Reisenden bei, in dessen Um-gänge Volkman, als in dem eines feurigen, gefühlvollen,schwcrmüthigen und gern mit abstrakten Wissen sich be-schäftigenden jungen Mannes, ein Vergnügen fand, wieer es unter den heitern, aber weniger ansgebildeten Ita-lienern nimmer genossen hatte.

Ost also besuchte der junge Engländer die einsameWohnung des Astrologen, und die gehelmnißvvllen undschauerlichen Gespräche des Sternensehers gewährten ihm,der frühzeitig gelernt hatte, die Seltsamkeiten der Men-schen anfznfassen, ein eigenthümliches Entzücken, das nochdurch den Contrast erhöht ward, den es zu den weltlichgesinnten Gemüthern, mit denen er gemeinhin verkehrte.