Druckschrift 
6 (1836)
Entstehung
Seite
60
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KO

Unter allen trübseligen, in ihren Hofnungen ge-täuschten Menschen nimt hent zu Tag ein jungerDichter vi-lleicht den ersten Plaz ein. Man sehedieses bleiche, unzufriedene Gesicht, diese -»gleichscheue und stolze Miene. St. Malo ist ein Dich-ter von bedeutendem Talent; er gibt sich ganz derMuse dahin; der Durst nach Ruhm verzehrt ihn;die laute Celebrität Byrons klingt noch in seinemOhr; er fragt sich, warum er nicht gleich berühmtwerden sollte; er findet kein Vergnügen an der Ge-sellschaft; er fühlt, daß man dort nicht genug ausihm macht und denkt:dereinst wird man sich schonnoch um mein Genie reisscu!" Er ist ekkig und un-freundlich, denn er lebt nicht in der Gegenwart; erstürzt sich in eine eingebildete Zukunft, die nie ver-wirklicht werden wird, hinter andere Leute geht erimmer mit der Vorstellung, Diese müSteu ihn be-wundern und fragen:Wer ist der interessante jungtMann?" Er nimt keinen Antheil an den Vergnü-gungen anderer Menschen, sie müstcn denn selbstGedichte schreiben oder die seiuigen lesen; dage-gen fodert er, daß Jederman Theil an ihm nehme.Sein Ohr und sein Geschmak wurden früh in derSchule Byrons gebildet; jezt ist er zu der SchuleWordsworths und Shelleys vorgeschritten. Unbe-wnst ahmt er die beiden Leztern nach und wundertsich, daß seine Schriften keinen Absaz finden: wenndas Urbild nicht verkauft wird, wie sollte cs dieKopie? Er hat sich nie der Philosophie beflissen,sucht aber etwas metaphysisch zu schreiben und wirft