Druckschrift 
5 (1838)
Entstehung
Seite
105
Einzelbild herunterladen
 

lOL

Fenster, langsam und mit gekreuzten Armen ans demmondbcschiencncn Rasenplatz »mhcrwaudcln. In ihrerBrust erhob sich ein kurzer Kampf zwischen weiblichemStolz und weiblicher Liebe; die letztere siegte und sietrat zu ihm.

„Verzeihen Sie mir, Ernst," sagte sie ihm ihreHand reichend, „ich verdiene Tadel."

Ernst küßte ihre schöne Hand und antworteterührend:

„Florcncc, Sic haben die Macht mich zu ver-wunden ; seycn Sic mild in Ausübung derselben. Gottweiß, daß ich nicht den leisesten Schmer; über Siebringen möchte aus dem eitlen Wunsch, meine Herr-schaft über Sie zu zeigen. Ach! glauben Sie ja nicht,daß in Zwisten von Liebenden eine Süßigkeit liege,welche den Schmerz des Stachels aufwögc."

„Ich habe Ihnen gesagt, Ernst-, ich scy zu an-spruchsvoll. Zch habe Ihnen gesagt, Sic würden michnicht mehr so sehr lieben, wenn Sic mich besserkennten."

„Und Sic waren eine falsche Prophetin.. Florcncc,jeden Tag, jede Stunde liebe ich Sic mehr — mehrals ich einst für möglich hielt."

„Dann," rief das störrische Mädchen, begierig sichselbst zu quälen, „dann haben Sic mich einst nichtgeliebt."

„Florcncc, ich will aufrichtig scpn — ja, ich habeSie einst nicht geliebt. Sie gewinnen jetzt in raschemZug eine Herrschaft über mich, größer als meine Vcr-