Druckschrift 
6 (1836)
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen
 

146

durch ein einziges aus seinem eigensten Selbst hcrvor-gegangeneS, aber vom Moment des Vollzugs an nebendiesem Selbst wie eine unbegreifliche Lüge erscheinendesVerbrechen zerknickt wurde; durch ein Verbrechen, das dieAusgeburt einer irr gewordenen Vernunft war, die esdabei nur auf das Rechte und Wahre abgesehen hatte,lind dieses Schicksal, das ihn einen Blick in die dnnklernTiefen des Menschengeschlechtes thun ließ, wo das mora-lische Verständniß uns erst recht ausgcht, gab ihm diezweifache Lehre der Vorsicht gegen sich selbst, der Nach-sicht mit Andern. Er wußte von nun an, daß selbst derVerbrecher nicht ganz bös ist; daß der Engel aus Unsnicht leicht völlig vertrieben werden kann; der Engel über-lebt die Sünde, ja viele Sünden, und läßt uns oft inErstaunen über das Gute, das noch ums Herz des ver-härtetsten llebelthäterS her schwebt.

Und mit mehr als wiedererwachter Zärtlichkeit hingEllinor an dem Einen, dessen LooS nun auch das ihrigeumschlang. Walter war das letzte Band, das ihr auf Er-den geblieben, und in ihm lernte sie Tag für Tag denNeichthum ihres Herzens ungebundener auSgießen. Unglückund Leiden hatten den Charakter Beider veredelt, und sie,die in ihrem Vetter so lang Alles gesehen, was sie liebenkonnte, erblickte nunmehr in dein Gatten einen noch stär-ker» und dauernden Zauber erblickte in ihm Alles, wassie zu verehren, zu bewundern fähig war. Eine religiöseGluth, der sie sich nach den Unfällen ihres Hanfes mitciner Art Schwelgerei hingegeben, hielt bei ihr bis ans